Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

In unserer Hand

Gesund / 20.10.2023 • 11:01 Uhr

Wollpullover, wattiertes Gilet mit Kapuze, lange Jogginghose, Socken, feste Schuhe, Schal und Handschuhe: Es ist kalt geworden. Der Jahreszeit geschuldet, schon klar. Bei mir dauert die Umstellung nur immer ein bisschen. Solange es geht, stemme ich mich gegen Wärmendes aus dem Kleiderschrank. Bis es dann halt doch ungemütlich wird. Es ist kalt geworden. Nicht nur im wortwörtlichen, sondern auch im übertragenen Sinne. Konflikte, die weit weg sind und gefühlt schon eine Ewigkeit andauern, berühren vielfach gar nicht mehr.

Ja, wir merken einmal auf, wenn sich der Krieg in der Nachbarschaft abspielt, aber ehrlich: Wie oft denken Sie noch an die in Trümmer liegende Ukraine? Außer vielleicht, wenn sie gerade in den Nachrichten ist? Eine Meldung. Eine kurze Schlagzeile. Die nächste übertüncht das Grauen schon wieder mit einem anderen Grauen, das irgendwann ebenfalls zur Alltäglichkeit verkommt. Ich weiß schon, die Welt dreht sich trotzdem weiter. Im Osten drängt gerade blutrot der Morgen durch die Nebeldecke. Ein neuer Tag. Wir sollten an jedem dankbar sein, hier leben zu dürfen und dafür sorgen, dass es so bleibt. Das liegt zu einem Gutteil auch in unserer Hand.

Marlies Mohr

marlies.mohr@vn.at

05572 501-385