Von trüb bis heiter
Der Föhn war schneller zusammengebrochen als prognostiziert. Bald darauf setzte Regen ein. Träge schoben sich die grauen Wolken über den Himmel, und ab und an weinten sie, wie ein kleines Mädchen seiner Mutter mit kindlichem Ernst erklärte. Die beiden standen vor einer Betreuungseinrichtung, gerade dabei, sich herzlich zu verabschieden. „Ich hole dich dann ab!“, ruft die Mutter ihrer Tochter noch hinterher, doch die dreht sich nicht mehr um. Sie hat eine Freundin entdeckt. Der Regen kam und ging und kam und ging. Alles in allem blieb es jedoch ein trüber Tag. Für die obligaten zwei Spaziergänge mit dem Hund erwischte ich trockene Phasen, was ich von einem Termin, den ich per Rad erledigte, nicht behaupten konnte. Sei’s drum. Es gibt Schlimmeres.
Irgendwann ging der Tag in die Dämmerung über. Auch im Wohnzimmer wurden die Schatten langsam länger. Ich dachte schon daran, die Vorhänge zuzuziehen, hielt dann aber gebannt inne, denn draußen glühten Wald und Hügel, grad so, als ob sie in Flammen stünden. Also Schuhe und Jacke an, es drängte mich ohnehin noch nach etwas Bewegung, den Hund angeleint und hinaus ins Freie. Was mich dort erwartete, war wieder etwas fürs Gemüt. Irgendwo verlor sich gerade ein Regenbogen langsam im Nichts und der Horizont wurde mit den letzten Strahlen der untergehenden Sonne vergoldet. Die Wolkendecke hatte nur einen Streifen blauen Himmels freigegeben, doch das reichte für ein zu Herzen gehendes Naturschauspiel. Trübe Tage? Ja, die gibt es, aber auch sie haben ihre heiteren Seiten. Man muss sie nur sehen.
Marlies Mohr
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