Gerald Fleisch: Kein Kontrollsystem wäre dieser kriminellen Energie gewachsen

Gesund / 03.08.2023 • 15:59 Uhr
Gerald Fleisch muss morgen den Aufsichtsrat informieren, was man über den Betrugsfall in der Bauabteilung bislang weiß. <span class="copyright">Sams</span>
Gerald Fleisch muss morgen den Aufsichtsrat informieren, was man über den Betrugsfall in der Bauabteilung bislang weiß. Sams

Der Geschäftsführer der Krankenhausbetriebsgesellschaft ist um Aufklärung bemüht. Er geht von weiteren Geschädigten aus.

Feldkirch Seit Mittwoch dreht sich bei der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) alles um den Verdacht des Betrugs bei Bauaufträgen des Krankenhausbetreibers zu dessen Schaden. Geschäftsführer Gerald Fleisch kehrte am Mittwoch aus seinem Urlaub in Süditalien zurück, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Noch wenige Details bekannt

“Das Problem ist, dass wir momentan noch keine Details wissen und das Ausmaß noch nicht abschätzen können”, räumt Fleisch am Donnerstag gegenüber den VN ein. “Wir wissen aber, dass die KHBG geschädigt wurde, wahrscheinlich auch andere Unternehmen”, sieht Fleisch nicht nur das eigene Unternehmen als potenzielles Opfer.

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Nach dem aktuellen Wissensstand muss man von einem Millionenschaden in unbekannter Höhe über die vergangenen zehn Jahre ausgehen. Zwei aktive und ein pensionierter Mitarbeiter der Bauabteilung der KHBG sind neben zwei weiteren externen Personen dringend tatverdächtig, über Schein- und überhöhte Rechnungen die KHBG geschädigt zu haben. “Hier handelte es sich um ein Betrugsnetzwerk mit hoher krimineller Energie”, betont Fleisch. Am Donnerstag beantragte die Staatsanwaltschaft Feldkirch für drei Personen die Untersuchungshaft, zwei weitere sind im Polizeigewahrsam. Eine Entscheidung stand am Donnerstag noch aus.

Nebenbeschäftigungen unter Auflagen

Für die Umleitung der Gelder wurden nach dem aktuellen Wissensstand auch Unternehmen genutzt, die die KHBG-Mitarbeiter als Nebenbeschäftigung geführt haben. “Nebenbeschäftigungen sind immer etwas kritisch zu sehen”, bestätigt Fleisch. Diese wurden jedoch mit klaren Auflagen genehmigt, um Interessenkonflikte zu vermeiden. “Hier sind wir sehr strikt”, betont Fleisch. Es sei aber der Fall, dass nach dem jetzigen Kenntnisstand diese Nebenbeschäftigung gemessen an den Auflagen “völlig falsch ausgeübt wurden”, so Fleisch.

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Vonseiten der KHBG müsse man nun das Fortschreiten der Ermittlungen abwarten, bislang habe man noch keine Akteneinsicht. Derweil laufe die am Mittwoch angekündigte interne und externe Prüfung aller Prozesse, versichert Fleisch. Angesprochen auf die Umsetzung der Empfehlungen des Landesrechnungshofs von 2015, verweist er auf das umfangreiche interne Kontrollsystem, von dem die interne Revision nur ein Teil sei. “Wir sind eines der meistgeprüften Unternehmen im Land, mit sehr hohen Ansprüchen an die Compliance, Corporate Governance und dem Umgang mit öffentlichen Geldern”, betont der KHBG-Geschäftsführer. “Dies ist auch meiner eigenen Rechnungshofvergangenheit geschuldet.” Schlussendlich sei die aufgebrachte kriminelle Energie so hoch gewesen, dass ihr kein Kontrollsystem gewachsen gewesen wäre.

Bauabteilung muss neu aufgestellt werden

Jetzt sei es seine Aufgabe, die Gremien schnell und umfassend zu informieren, verweist Fleisch auf die Aufsichtsratssitzung am Freitagvormittag. Im Rahmen dieser Sitzung werde man auch die weitere Vorgehensweise besprechen. “Wir arbeiten an der Aufklärung der Vorfälle vollumfänglich mit, haben hier auch ein gutes Einvernehmen mit dem Landeskriminalamt”, betont Fleisch.

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Parallel müsse aber auch Bauabteilung nach dem Wegfall der beiden Tatverdächtigen neu aufgestellt werden. Allein heuer verbaut die KHBG 39,3 Millionen Euro. “Wir werden nun die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen, dies wird eine der großen Herausforderungen der nächsten Zeit sein”, räumt Fleisch ein. Ein reibungsloser Ablauf der Bauarbeiten an den unterschiedlichen Krankenhäusern sei auch im Interesse der Patientinnen und Patienten.