Krankentransporte: “Wir fordern nichts Unbilliges”

Rotes Kreuz gegen ÖGK. Ohne Tarifeinigung gibt es per 30. Juni die Vertragskündigung.
Bregenz Weil ihm die Parkgebühren in der Tiefgarage des LKH Feldkirch zu hoch waren, wollte ein Patient mit dem Roten Kreuz ins Spital transportiert werden. Als dies abgelehnt wurde, legte er am nächsten Tag einen Verordnungsschein seines Hausarztes vor. Auf einem anderen Transportschein war „inadäquates Schuhwerk“ als Grund für die Beförderung durch das Rote Kreuz angeführt.
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Zwei Beispiele, die veranschaulichen, wie missbräuchlich das System zum Teil verwendet wird. „Und wir müssen fahren, wenn ein Transportschein vorliegt“, merkt Rotkreuz-Präsident Ludwig Summer fast schon resigniert an. Dass die Blaulichtorganisation mit der ÖGK jetzt auch um kostendeckende Tarife für Krankentransporte kämpfen muss (die VN berichteten), versteht er noch weniger. „Wir fordern nichts Ungerechtfertigtes und nichts Unbilliges“, fasst Summer das Anliegen mit seinem persönlichen Wahlspruch zusammen: „Was wiegt, des hots.“ Sollte es zu keiner Einigung in den seit Oktober dauernden Verhandlungen kommen, wird der ÖGK per 30. Juni die Kündigung des Vertrags mit 30. September ins Haus flattern. Das wäre es dann auch mit der Direktverrechnung. „Wir werden jedenfalls keine Vereinsgelder mehr drauflegen“, stellt der Rotkreuz-Präsident klar.

Fahrten stiegen, Deckel blieb
Der Vertrag mit der ÖGK stammt aus dem Jahre 2000 und beinhaltet eine Deckelung bei den Transporten. „Damals passte das, zumal es weniger Krankentransporte gab“, führt Ludwig Summer aus. Inzwischen sind diese jedoch massiv gestiegen. Allein für heuer werden 160.000 prognostiziert. Der Deckel jedoch blieb. Eine weitere Skurrilität: Liegt die Anzahl der Fahrten über dem Deckel, muss das Rote Kreuz der ÖGK sogar Geld zurückzahlen. Für 2022 wären das 150.000 Euro gewesen. Auf die würde die ÖGK laut Summer zwar verzichten, sie hat den Betrag allerdings in die angebotene Tariferhöhung von 20 Prozent eingerechnet. „Wir wären auch mit den 8,6 Prozent einverstanden, die die anderen Landesverbände erhalten haben, wenn zuerst die Basis verdoppelt wird. Uns das gleiche von der niedrigen Basis aus zu geben, spielt sich nicht.“

Rotkreuz-Geschäftsführerin Janine Gozzi.
Ungleich verteilt
Wie sich bei einem Zahlenvergleich mit den Landesverbänden zudem herausstellte, gibt es für das Rote Kreuz Vorarlberg lediglich den halben Tarif. Der Anteil der ÖGK an den Tarifen im Burgenland, in Niederösterreich, der Steiermark, Tirol und Oberösterreich liegt demnach bei 31,4 Prozent. „Bei uns sind es 16 Prozent“, verdeutlicht Ludwig Summer die Diskrepanz und ergänzt: „Würde uns der Burgenland-Tarif von 62 Euro zugestanden, könnten wir kostendeckend fahren. Was wir fordern ist also nichts anderes als eine Gleichstellung mit anderen Bundesländern.“ Rotkreuz-Geschäftsführerin Janine Gozzi fügt an: „Der Patiententransport ist bei uns nicht um ein Drittel billiger.“ Konkret heißt das, es würden statt 2,9 Millionen Euro schon heuer 6,4 Millionen von der ÖGK benötigt.
Eigene Maßnahmen gesetzt
Die beiden Rotkreuz-Vertreter verweisen auf eigene Maßnahmen, die zur Optimierung der Krankentransporte bereits gesetzt wurden. So ist man daran, ein Nebengebäude der Zentrale in Feldkirch zu einer Krankentransportzentrale auszubauen. Ebenso wurde ein Fahrdienst etabliert. Zwei Pkw mit Ein-Mann-Besatzung sind im Einsatz, zwei weitere folgen noch in diesem Jahr. „Wir machen unsere Hausaufgaben“, merkt Gozzi aufgebracht an. Ärger schwelt auch darüber, dass die ÖGK-Landesstelle jährlich 15 Millionen Euro in die Zentrale nach Wien abliefern muss. „Drei Millionen davon sind von uns. Würde man uns kostendeckende Tarife gewähren, würde wenigstens dieses Geld im Land bleiben, aber nein, wir werden niedergehalten“, sieht Summer das „nicht als Rotkreuz-Präsident, sondern als Vorarlberger Bürger“ nicht ein.
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In einem Mail habe die ÖGK die vom Roten Kreuz vorgelegten Zahlen als plausibel bezeichnet. Umso unverständlicher ist für Ludwig Summer das, was gerade abläuft. Janine Gozzi legt nach: „Bei allem Verständnis für die andere Seite, muss der, der anschafft, auch zahlen.“ Krankentransporte sind im ASVG geregelt. Bei der bestehenden Deckelung fährt das Rote Kreuz ab 1. Juli umsonst. Die Hoffnung auf eine faire Lösung bleibt.
