Kein Verbot in Sicht: Weiterhin “Umpolungstherapien” für queere Menschen

Gesund / 15.06.2023 • 15:26 Uhr
Kein Verbot in Sicht: Weiterhin "Umpolungstherapien" für queere Menschen
Pride Month: Der Juni steht weltweit im Zeichen der Regenbogenflagge. In Österreich sind sogenannte Konversionstherapien aber immer noch erlaubt. AFP, Kirchner

ÖVP und Grüne sind sich nicht einig. Es geht um die Einbindung transidenter Personen. GoWest reagiert mit Unverständnis.

Schwarzach In Ländern wie Deutschland, Frankreich, Kanada oder Israel sind sie schon verboten. In Österreich nicht. Es geht um Konversionstherapien – also „Behandlungen“, die darauf abzielen, queere Menschen umzupolen. Eigentlich sollen auch in Österreich diese Praktiken an Jungen künftig nicht mehr möglich sein. Doch ein Verbot lässt weiterhin auf sich warten. ÖVP und Grüne sind uneinig.

„Wir sind sehr wütend“, sagt Fynn Kircher, Vorstand vom Vereins GoWest, welcher sich für die Rechte der LGBTQIA+ Community einsetzt. „Es muss endlich gesetzlich geregelt werden, dass Konversionstherapien nicht erlaubt sind.“ Die englische Abkürzung LGBTQIA+ steht für alle Menschen, die sich als homosexuell, bisexuell, transgender, queer, intergeschlechtlich und asexuell sehen. Das Plus am Ende fungiert als Platzhalter für weitere Geschlechtsidentitäten.

"Wir sind sehr wütend", sagt Fynn Kirchner, Vorstand vom Verein GoWest. <span class="copyright">Kirchner</span>
"Wir sind sehr wütend", sagt Fynn Kirchner, Vorstand vom Verein GoWest. Kirchner

Aufforderung, “normal” zu werden

Den Verein erreichen zwar kaum gezielte Anfragen zu Konversionstherapien, wie dieser auf VN-Anfrage mitteilt. In Beratungsgesprächen seien Vorgangsweisen, die aus Sicht von GoWest darunterfallen, aber immer wieder Thema. Der Verein nennt Beispiele: Jugendliche und Erwachsene berichteten etwa von Aufforderungen durch Angehörige oder Medizinerinnen und Mediziner, sich in Therapie zu begeben, um „normal“ zu werden. Transpersonen wurde ausgerichtet, dass der juristische Name im Pass oder auf der Geburtsurkunde der richtige sei. Sie hätten nur ein schlechtes Bild vom „eigenen“ Geschlecht, seien verwirrt, krank oder wollten einem Trend folgen. In der Therapie oder beim Arzt würden LGBTQIA+ Themen gleich ganz ausgespart oder negativ behandelt. Homosexuelle Menschen mussten sich den Schilderungen zufolge außerdem anhören, dass sie ihre Gedanken und Bedürfnisse unterdrücken sollen. „Sie seien nicht richtig und würden aus der ‚Phase‘ herausfinden.“ Ihnen sei aufgetragen worden, Mantras aufzusagen, zu beten oder einfach Partner des anderen Geschlechts zu suchen.

Dass Konversionstherapien untersagt werden sollen, stand eigentlich bereits 2021 fest. Damals sprach sich der Nationalrat einstimmig dafür aus. Die Bundesregierung solle eine Regierungsvorlage zur Beschlussfassung übermitteln, mit der Konversions- und „reparative Therapieformen“ an Minderjährigen verboten werden, heißt es im entsprechenden Entschließungsantrag. Doch es gibt unterschiedliche Haltungen in der Koalition, ob auch Behandlungen an Transpersonen mitabgedeckt sind. Deshalb scheiterte ein Gesetzesantrag diese Woche im Nationalrat.

ÖVP sieht Blockade bei Zadic

Dem ÖVP-Mandatar Nico Marchetti zufolge wollte seine Partei einen Antrag einbringen, der die Entschließung von 2021 eins zu eins umsetze. Justizministerin Alma Zadic (Grüne) habe den Vorschlag aber abgelehnt und bestehe auf Aspekte, die darüber hinausgingen, also die Einbindung transidenter Personen. Die ÖVP sei jederzeit bereit, ein Verbot von Konversionstherapien in Bezug auf sexuelle Orientierung zu beschließen, sagte Marchetti. Über Anderes ließe sich auch reden. Aber eine Blockade aus diesem Grund sehe er nicht ein.

Die ÖVP sei jederzeit bereit, ein Verbot von Konversionstherapien in Bezug auf sexuelle Orientierung zu beschließen, sagt der Abgeordnete Nico Marchetti. <span class="copyright">APA/Steinmaurer </span>
Die ÖVP sei jederzeit bereit, ein Verbot von Konversionstherapien in Bezug auf sexuelle Orientierung zu beschließen, sagt der Abgeordnete Nico Marchetti. APA/Steinmaurer

Anders argumentieren die Grünen. Sie verweisen darauf, dass schon seit Oktober 2022 ein Entwurf auf dem Tisch des Koalitionspartners liegt, der auch Transpersonen umfasse. Eine Scheinlösung, die nicht alle Menschen der LGBTQ+ Community vor Pseudo-Therapien schütze, werde es mit den Grünen nicht geben, betonte Justizministerin Zadic. Trans- und Interpersonen seien am häufigsten betroffen. Auch Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) meldete sich zu Wort: „Es gibt klare Evidenz, dass Konversionstherapien sowohl aufgrund sexueller Orientierung als auch Geschlechtsidentität und Geschlechtsausdruck zu erheblichen Schäden bei Betroffenen führen.“ Sie reichten von Depressionen, Angstzuständen bis hin zu Suizid.

Gesundheitsminister Johannes Rauch fand deutliche Worte und verwies auf schwerwiegende Folgen wie Depressionen, Angstzustände bis hin zu Suizid. <span class="copyright">APA/Hochmuth</span>
Gesundheitsminister Johannes Rauch fand deutliche Worte und verwies auf schwerwiegende Folgen wie Depressionen, Angstzustände bis hin zu Suizid. APA/Hochmuth

Auch GoWest fordert, dass alle Menschen der LGBTQIA+ Gemeinschaft gesetzlich vor solchen Praktiken geschützt werden müssen. Konversationstherapie gehöre verboten, typische Vorgangsweisen sollten angezeigt werden können. „Egal welche sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität ein davon betroffener Mensch hat.“