Warum Frauen anders krank sind als Männer
Gendermedizin: Das ÖGK-Gesundheitsbarometer.
Dornbirn Frauen und Männer sind unterschiedlich krank. In der medizinischen Behandlung, bei der Vorsorge und dem Auftreten bestimmter Erkrankungen bestehen zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Chromosomen und Hormone haben großen Einfluss auf die Anfälligkeit für bestimmte Erreger ebenso wie auf die Symptome, die bei ein und derselben Krankheit auftreten. Die Gendermedizin beschäftigt sich genau mit diesen Differenzen, damit diese bei der Therapie berücksichtigt werden.
Höhere Lebenserwartung
Was Frauen den Männern voraus haben, ist die Lebenserwartung. Frauen haben in Österreich eine durchschnittliche Lebenserwartung von 83,7 Jahren, bei Männern beträgt diese 78,9 Jahre. Die gesunden Lebensjahre liegen mit 64,7 nur um 1,6 Jahre über denen der Männer (63,1 Jahre). „Um individuelle Risiken abzuschätzen, sehen sich unsere Kassenärztinnen und -ärzte im Rahmen des jährlichen Gesundheits-Checks individuelle Risikofaktoren an. Zusätzlich gibt es geschlechtsspezifische Vorsorge, wie den PAP-Abstrich, die Mammografie ab dem 40. Lebensjahr oder für Männer ab 50 die Abklärungsuntersuchung auf das Prostatakarzinom“, erklärt ÖGK-Generaldirektor Bernhard Wurzer.
Unterschiedliche Symptome
Es beginnt schon bei den Chromosomen. Frauen können aufgrund des zweiten X-Chromosoms einen Gendefekt leichter ausgleichen als Männer. Gleichzeitig geht die Wissenschaft davon aus, dass die höhere Immunaktivität des X-Chromosoms sowie hormonelle Unterschiede zwischen Männern und Frauen Gründe dafür sind, dass Frauen häufiger an Autoimmunerkrankungen leiden. Obwohl Männer in Österreich dreimal häufiger einen Herzinfarkt erleiden, ist die Sterblichkeit bei Frauen höher. Die Symptome eines Herzinfarkts sind bei Frauen oft nicht eindeutig und unterscheiden sich zu den Symptomen von Männern. Frauen verspüren etwa Schmerzen im Oberbauch und Übelkeit – was eine Diagnose erschwert, während Männer überwiegend über ein Engegefühl in der Brust berichten.
Unterschiedliche Risiken
Frauen, vor allem nach der Menopause, sind allerdings deutlich häufiger von Osteoporose, also Knochenschwund, betroffen. In Österreich sind es rund 370.000 Frauen, im Vergleich zu 90.000 Männern. In Europa tritt die Krankheit gesamt bei über 22 Prozent der Frauen über 50 Jahren auf. Zusätzliche Risikofaktoren sind zum Beispiel Vorerkrankungen, wie Diabetes, Rheuma, Hormonerkrankungen, Krebserkrankungen oder eine genetische Veranlagung.