„Herzstolpern als Symptom ernst nehmen“

Die gute Botschaft: Die meisten Herzrhythmusstörungen sind ungefährlich.
bludenz Ein Motor läuft nicht immer rund. Das gilt auch für jenen, der uns am Leben erhält. Probleme im Reizleistungssystem können das Herz aus dem Takt bzw. zum Stolpern bringen. Die einen spüren die dadurch verursachten Extraschläge, andere nicht. Sicher ist aber, dass jeder sie hat. Primar Alois Süssenbacher, Leiter der Inneren Medizin am LKH Bludenz, sprach von 30 bis 100 Impulsen pro Tag: „Das ist normal.“ Solche Extrasystolen können unangenehm sein, sind in aller Regel jedoch nicht gefährlich. Es gibt allerdings auch hier eine Ausnahme von der Regel, und die nennt sich Vorhofflimmern. Es handelt sich um die häufigste Herzrhythmusstörung. „Flimmern bedeutet immer eine hohe Frequenz“, nannte Süssenbacher 400 Impulse pro Minute.
Erhöhtes Risiko
Zusammen mit anderen Faktoren wie einem erhöhten Blutdruck steigt das Risiko für einen Schlaganfall. „Deshalb ist Herzstolpern ein Symptom, das man ernst nehmen muss, auch um ein mögliches Vorhofflimmern zu entdecken und eine Schlaganfall-Prophylaxe beginnen zu können“, betonte der Internist und Kardiologe.
Der Fachbegriff für einen wahrnehmbaren unregelmäßigen Herzschlag lautet Palpitation. Herzstolpern wird fast immer durch Herzrhythmusstörungen ausgelöst, die wiederum Ursachen haben. Als Beispiele führte Primar Süssenbacher Nebenwirkungen von Medikamenten, zu viel Koffein, übermäßigen Alkoholkonsum, Nikotin, Hormonstörungen, Stoffwechselentgleisungen, Herzklappenerkrankungen sowie nicht optimal funktionierende Herzschrittmacher an. Ebenso können psychiatrische Krankheitsbilder, etwa Panikattacken, Angststörungen oder psychische Probleme zu Herzrhythmusstörungen führen. „Das Allerwichtigste für mich ist ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten“, erläuterte Süssenbacher. Allein damit lasse sich recht gut eingrenzen, um welche Art von Herzstolpern es sich handle und wo die Ursache liege. Damit könne die Untersuchung gleich spezifischer gestaltet werden. Untersuchungen fokussieren sich unter anderem auf Kurz- oder Langzeit-EKGs, Blutanalysen, Herzultraschall und bei Bedarf eine elektrische Herzkatheter-Untersuchung.
Von Bedeutung sind laut Alois Süssenbacher auch Apps für Smartphones oder Smartwatches. In Europa zwar noch nicht als Medizinprodukt zugelassen, attestiert er speziell Smartwatches gute EKGs. Die Daten würden helfen zu beurteilen, ob etwas Gefährliches oder nicht vorliege. Beruhigender Nachsatz: „Die meisten Arten von Herzstolpern sind nicht gefährlich.“ Das Behandlungsspektrum umfasst medikamentöse Therapien, die sogenannte elektrische Kardioversion, eine Maßnahme zur Wiederherstellung des normalen Herzschlags, sowie die Katheterablation, bei welcher Herzgewebe verödet wird. Schwere Herzrhythmusstörungen lassen sich damit in den meisten Fällen ausschalten.
DGKP Markus Naier informierte über die Möglichkeiten der ambulanten und stationären Überwachung. Die Pflege ist außerdem nahe am Patienten. Zu den Aufgaben zählen etwa EKG schreiben und den Patienten gut beobachten. Laut Naier ebenfalls wichtig ist eine gute Aufklärung der Patienten, besonders was die Wirkung der Medikamente sowie erforderliche Verhaltensweisen betrifft.