Versorgung gleicht Fleckerlteppich

Gesund / 09.12.2022 • 11:41 Uhr
Laut Kinderliga hapert es unter anderem bei der Möglichkeit, sich ohne Wartezeiten psychologische oder psychotherapeutische Hilfe zu holen.adobestock
Laut Kinderliga hapert es unter anderem bei der Möglichkeit, sich ohne Wartezeiten psychologische oder psychotherapeutische Hilfe zu holen.adobestock

Experten kritisieren unzureichendes Gesundheitsangebot für Junge.

Wien Die Gesundheitsversorgung für Kinder und Jugendliche ist in Österreich unzureichend, kritisierten Experten bei einer Pressekonferenz. Laut einer Erhebung gäbe es zu wenige Therapeuten und Mediziner für diese Altersgruppe, die ein Viertel der Bevölkerung ausmacht, oft monatelange Wartezeiten und die Versorgung gleiche landesweit einem Fleckerlteppich. Ein Kinderministerium und diverse vorgeschlagene Maßnahmen könnten die Situation verbessern, hieß es.

In ganz Österreich gäbe es zum Beispiel nicht einmal 300 Kinder- und Jugendärzte (Pädiater) mit Kassenvertrag, das bedeutet, im Durchschnitt einen Fachmediziner für 5000 Kinder. Ihre Verteilung ist zudem ungleich. Während es in der Wiener Innenstadt dreimal mehr als im Durchschnitt sind, gibt es in 15 politischen Bezirken keinen einzigen. In sämtlichen Bundesländern herrsche entgegen des „Österreichischen Strukturplans für Gesundheit 2017“ eine Unterversorgung an kassenfinanzierten Kinderärzten, so Caroline Culen. Einzig Vorarlberg scheint in der Statistik im grünen Bereich auf.

Lange Wartezeiten

Knapp 39.000 Kinder waren 2020 bei Psychotherapeuten in Behandlung, und 41.000 bei klinischen Psychologen. Sie mussten allerdings im Schnitt rund vier beziehungsweise dreieinhalb Monate auf ihre Termine warten. Die Zahl der mit der ÖGK verrechneten Stunden variiert enorm. In Krems (NÖ) waren es etwa 747 pro 1000 Kinder, in Salzburg Umgebung (S) 45. In Vorarlberg wurden 140,6 Stunden pro 1000 Kinder abgerechnet. Um den Bedarf insgesamt zu decken, müsste die Zahl der verrechneten Stunden um 35 beziehungsweise 38 Prozent zunehmen.

Bei der Ergotherapie sind die Versorgungsunterschiede ebenfalls groß: 346 verrechneten Stunden pro 1000 Kindern in Perg (ÖO) stehen sieben Stunden in Leoben (St) gegenüber. Die Wartezeiten betragen hier zudem im Schnitt fast sieben Monate. Auch bei der Logopädie (Sprachtherapie) gäbe es frappante Differenzen, nämlich 657 Stunden in Hermagor (K) und 17 Stunden in Murau (St). Auf Vorarlberg bezogen verzeichnete Feldkirch mit 13,5 abgerechneten Stunden den tiefsten Wert.

Kinderministerium gefordert

Um die Versorgungssituation für Kinder und Jugendliche zu verbessern und etwa lange Wartezeiten zu verkürzen, fordert die Kinderliga zum Beispiel eine unbürokratische Abrechnung von psychotherapeutischen und klinisch-psychologischen Behandlungen, führte Hedwig Wölfl von der Organisation aus. Sie plädierte ebenso für „psychische Gesundheit auf e-Card“ und gezielte Investitionen in Regionen mit nachteiliger Ausgangslage. Auch die pädiatrischen Primärversorgungseinrichtungen sollten ausgebaut werden, wünscht sich die Kinderliga. „Wir werden sicher auch nicht müde, unsere Forderung nach einem eigenen Kinderministerium immer wieder zu erneuern. Denn für 25 Prozent unserer Bevölkerung, nämlich die Kinder und Jugendlichen in Österreich, gibt es keine repräsentative Vertretung in der Politik“, betonte der aus Vorarlberg stammende Kinderliga-Präsident Christoph Hackspiel.

Als Grundlage für die Studie dienten laut Kinderliga von der ÖGK zur Verfügung gestellte Daten zur Leistungsverrechnung im niedergelassenen Bereich, die Register der Kassenärzte und anderen medizinischen Berufsgruppen sowie Umfragen zur Bedarfserhebung bei Therapeuten und Schuldirektoren.