Vorsorgemuffel Mann
Informationsabend am Weltmännertag im LKH Feldkirch.
Feldkirch „Leider hat sich nicht viel verändert.“ In einem Satz bringt Oberarzt Bernd Hartmann, Onkologe und Präsident der Krebshilfe Vorarlberg, die Situation rund um die Männervorsorge auf den Punkt. „Die Männer sind nach wie vor sehr zurückhaltend mit Vorsorgeuntersuchungen. Das betrifft sowohl die Prostatavorsorge als auch die Dickdarmkrebsvorsorge sowie die Hautvorsorge“, ergänzt er. Umso wichtiger ist aus seiner Sicht der Weltmännertag, der seit 2000 jeweils am 3. November begangen wird. Es gilt, vor allem jüngere Männer zu erreichen, weil Prostatakarzinome bei ihnen meist in aggressiveren Varianten auftreten, als dies bei älteren Männern der Fall ist. „Bei ihnen kann der Tumor oft durch Hormontherapien zum Stillstand gebracht werden. Sind die Jungen zu spät dran, endet dies meist in einem Drama“, verdeutlicht Hartmann.
Hohe Betroffenheit
Am Donnerstag, 3. November, veranstaltet die Krebshilfe Vorarlberg deshalb im Panoramasaal des LKH Feldkirch einen Informationsabend speziell für Männer. Ziel ist es, Männer zu informieren und sie zu bewegen, mehr auf ihre Gesundheit zu achten. Oberarzt Andreas Berger informiert über die Empfehlungen der Prostatakrebs-Vorsorge-Untersuchungsmöglichkeiten, aber auch über moderne Therapien, die bei der Tumorerkrankung eingesetzt werden. Primar Alfred Hobisch stellt das in Feldkirch verwendete Roboteroperationssystem DaVinci vor, mit dem inzwischen über 200 Prostataoperationen erfolgreich durchgeführt wurden.
In Vorarlberg erkranken jährlich 1000 Männer an Krebs, am häufigsten tritt der Prostatakrebs auf. Pro Jahr trifft es etwa 230 Männer, 45 sterben jeweils an dieser Erkrankung. Das Prostatakarzinom liegt damit in der Sterblichkeit an zweiter Stelle hinter dem Lungenkrebs. „Früh erkannt ist Krebs besser heilbar. Das gilt auch für den Prostatakrebs“, betont Bernd Hartmann. Die allgemeine Empfehlung dazu lautet: Männer ab 45 sollen regelmäßig eine Prostata-Vorsorge-Untersuchung durchführen lassen. Dazu gehört ein ärztliches Aufklärungsgespräch, eine Tastuntersuchung der Prostata sowie Festlegung der Nachfolgeuntersuchung anhand des PSA-Wertes und des persönlichen Risikos. Ist in der Familie schon einmal Prostatakrebs aufgetreten, ist eine Vorsorge ab 40 angezeigt.
Eigenverantwortung
Doch das starke Geschlecht ziert sich. „Die Männer haben in dieser Hinsicht bedauerlicherweise ein geringeres Bewusstsein und sind, im Gegensatz zu den Frauen, weniger zur Vorsorge gezwungen“, erklärt Hartmann. Ob ein PSA-Screening das Problem lösen könnte? Experten und Studien sind sich da uneins. „Die über 70-Jährigen haben keinen Vorteil, weil der Tumor langsam wächst und mit einer Behandlung relativ gut zu stabilisieren ist“, sagt der Onkologe. Das Screening berge die Gefahr einer Überdiagnostik und Überbehandlung. Bei den jüngeren Männern ist Eigenverantwortung gefragt.
Vielfältiges Angebot
In Vorarlberg kann die Prostatavorsorge bei allen niedergelassenen Urologen und praktischen Ärzten durchgeführt werden. Hartmann: „Dort wird kompetent über den Ablauf aufgeklärt, und bei Auffälligkeiten werden die richtigen weiteren Schritte veranlasst.“ Das Angebot der Krebshilfe: Informationsbroschüren zur Prostatakrebsvorsorge, umfangreiches Informationsmaterial zu Diagnose und Therapie des Prostatakrebses für Betroffene und Angehörige; Herrenzimmer- virtuelles Treffen für Männer mit der Diagnose Krebs; Vorarlberger Selbsthilfegruppe Prostatakrebs mit Austausch von an Prostatakrebs erkrankten Männer mit Mitgliedern der Selbsthilfegruppe. VN-MM
„Früh erkannt, ist Krebs besser heilbar. Das gilt auch für den Prostatakrebs.“
Weltmännertag
Programm
Donnerstag, 3. November 2022 19 bis 20:30 Panoramasaal des LKH Feldkirch
Referenten OA Andreas Berger: Prostatakrebsvorsorge und moderne Therapieoptionen aktuell; Primar Alfred Hobisch: Medizin 4.0 – DaVinci Roboteroperationssystem
» Kostenlos und ohne Voranmeldung
» Es gelten die Coronaregeln des LKH Feldkirch