Krebstherapien werden immer besser

Gesund / 14.10.2022 • 11:53 Uhr
Eva Lojnik und Primar Burghard Abendstein gestalteten einen äußerst spannenden Med-Konkret-Abend. KHBG
Eva Lojnik und Primar Burghard Abendstein gestalteten einen äußerst spannenden Med-Konkret-Abend. KHBG

Auch bei gynäkologischen Tumoren gibt es positive Weiterentwicklungen.

Feldkirch „Man kann vieles an die Tür schreiben, man kann auch Zentrum an eine Tür schreiben.“ Primar Burghard Abendstein, Leiter der Gynäkologie und Geburtshilfe im LKH Feldkirch, wollte es aber nicht allein bei solchen Äußerlichkeiten belassen und betrieb die Zertifizierung seiner Abteilung zum Zentrum für gynäkologische Tumoren. „Es liegt in unserer Verantwortung, den Patientinnen ein Angebot zu machen, das sie wahrnehmen und einordnen können“, stellte er an den Beginn seines Med Konkret-Vortrags. Vor zwei Jahren erfolgte nach aufwendiger Vorbereitung die Zertifizierung. Sie gewährleistet, dass Behandlung und Ergebnisse regelmäßig von externen sowie unabhängigen Gutachtern geprüft werden und der Prüfung standgehalten haben. „Damit ist schon sehr viel gesagt.“

Ungezielte Wirkung

Abendstein hatte aber noch mehr zu berichten, vor allem was die Weiterentwicklung bei der Behandlung von gynäkologischen Tumoren betrifft, wobei er sich beispielhaft auf den Gebärmutterkörper- und Eierstockkrebs konzentrierte. Im Wesentlichen wird der Eierstockkrebs chemotherapeutisch behandelt. Lange standen dafür lediglich zwei Medikamente zur Verfügung. Dazu kam, dass die Chemotherapie relativ ungezielt wirkt. Sie trifft nicht nur Tumor-, sondern auch gesunde Zellen. „Deshalb treten Nebenwirkungen wie Haarausfall oder Übelkeit auf“, erklärte Burghard Abendstein. Der Auftrag an die Forschung, gezieltere therapeutische Ansätze zu liefern, wurde deshalb immer lauter. Inzwischen ist die Krebstherapie eng mit den Begrifflichkeiten der personalisierten bzw. Präzisionsmedizin verbunden. Der Tumor kann gezielt angegangen werden, während gesunde Zellen und Organe weitgehend unbehelligt bleiben.

Dem Gynäkologen war es auch ein Anliegen, über BRCA und PARP aufzuklären. BRCA ist ein Genprodukt. Patientinnen, die diese Mutation aufweisen, haben ein bis zu 60 Prozent höheres Risiko, einen Eierstockkrebs zu entwickeln. Bei einem Drittel aller Eierstockkrebspatientinnen lässt sich eine BRCA-Mutation nachzuweisen. Bei PARP wiederum handelt es sich um ein Enzym, das Strangbrüche bei Zellen, wie sie 10.000 bis 20.000 Mal pro Tag bei jedem Menschen passieren, zu reparieren vermag, sodass die Zellen nicht absterben und wir am Leben bleiben. PARP würde demzufolge auch Strangbrüche bei Tumorzellen reparieren, aber: „Das möchten wir natürlich nicht.“ Bewerkstelligt wird das mit Medikamenten, die diesen Vorgang blockieren. Laut Abendstein profitieren auch BRCA-mutierte Patientinnen davon. „Wir können in vielen Fällen auf Chemotherapien verzichten, die krankheitsfreien Intervalle verlängern sich, sodass Spitalsbesuche meist nur noch zur Kontrolle nötig sind“, listete er die Vorteile auf.

Vorsorge nützen

Beim Gebärmutterkörperkrebs lässt sich die Therapie ebenfalls besser steuern. Dabei hilft auch die Weiterentwicklung der operativen Technik, weil krankes Gewebe präziser entfernt werden kann. Die Immuntherapie zeitigt ebenfalls gute Erfolge bei relativ geringen Nebenwirkungen. „Das sind Errungenschaften, auf die wir lange gewartet haben und von denen wir froh sind, dass wir sie anbieten können“, resümierte Abendstein, der auch auf die Vorsorge verwies, die gerade im Bereich der Frauenheilkunde eine große Rolle spiele. Er hob zudem die HPV-Impfung als wirksamstes Mittel gegen Gebärmutterhalskrebs hervor.

Eva Lojnik, seit September 2021 Stationsleiterin auf der gynäkologischen Abteilung, erläuterte die Aufgaben der Pflege. Diese reichen von der Betreuung vor, bei und nach der OP bis hin zur Chemotherapie. Die pflegerischen Tätigkeiten umfassen unter anderem Erhebung der Vitalzeichen, Erstmobilisation, Unterstützung bei der Körperpflege, Versorgung mit Schmerzmitteln, Verbandswechsel sowie Betreuung und Beratung von Patientinnen und Angehörigen. Zum anderen fungiert die Pflege als Bindeglied des interdisziplinären Teams.

Laut Lojnik ist es wichtig, mitzufühlen, aber nicht mitzuleiden, die Patientinnen mit positiven Gedanken stärken und Gespräche anzubieten, denn: „Manche stellen sich den Tatsachen, manche verdrängen sie.“ Es gelte auch auf die Ängste einzugehen. „Ein ganzes Team kümmert sich um eine Patientin, das muss so sein, schließlich soll das beste Ergebnis erzielt werden“, schloss Primar Burghard Abendstein.

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