Durch das Schlüsselloch ins Gelenk

Kongress mit Vorarlberger Beteiligung befasste sich mit Arthroskopie und Gelenkchirurgie.
Feldkirch, wien Mit 1400 Teilnehmern war der Kongress der Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie (AGA), der unlängst in Wien über die Bühne ging, der größte seiner Art in Europa. Mitten drin als Kongresspräsident Primar René El Attal, Leiter der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie am Landeskrankenhaus Feldkirch. Er zeichnete für das Kongressprogramm verantwortlich. Sein Resümee nach zwei Jahren Vorbereitung fällt positiv aus: „Die Resonanz sowohl von Expertenseite als auch von Patienten war hervorragend.“
Hohes Stundenmittel
Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates gehören zu den häufigsten Gründen, warum ein Patient den Arzt aufsucht. Das verdeutlicht El Attal an einer eindrucksvollen Zahl: „In Österreich werden pro Stunde 10 bis 15 arthroskopische Eingriffe an Gelenken durchgeführt.“ Zu den häufigsten gehören Eingriffe am Knie. Dahinter folgen Schulter, Sprunggelenk, Hüfte, Ellenbogen und Hand. Zum einen handelt es sich bei den Patienten um junge, aktive und risikofreudige Personen mit überlasteten oder verletzten Gelenken. Zum anderen sind es Menschen ab 50, die mit Abnützung und nachlassender Belastbarkeit zu kämpfen haben. „Das heißt, die meisten von uns kommen im Laufe ihres Lebens mit der Gelenkchirurgie und damit Arthroskopie in Kontakt“, sagt René El Attal.
Bei der Arthroskopie oder Gelenksspiegelung wird die Schlüsselloch-Chirurgie angewandt. „Über sehr kleine Schnitte können mit Hilfe von Minikameras und speziellen Instrumenten für jedes Gelenk und jeden operativen Eingriff auch immer komplexere Operationen durchgeführt werden“, führt der Experte aus und benennt auch gleich den größten Vorteil: „Muss ein Gelenk nicht eröffnet werden, verlaufen Genesung und Rückkehr zum Sport viel schneller.“ Heutzutage werden 50 bis 60 Prozent aller Gelenkeingriffe arthroskopisch durchgeführt.
Über die Schultern geschaut
Mit diesem Thema befasste sich der 39. AGA-Kongress in Wien. Neben den wissenschaftlichen Beiträgen wurden auch spezielle Vortragsformate gewählt. „Im Boxring wurden kontroversielle Fachthemen über vier Runden ausgetragen. Der Kontrahent mit den besten Argumenten gewann und wurde zum Sieger gekürt“, nennt René El Attal ein Beispiel. Im Rahmen einer Sprechstunde hatten die Teilnehmer erstmals Gelegenheit, fünf ausgewiesenen europäischen Experten im Bereich der Knie- und Schulterchirurgie über die Schulter zu schauen, wie sie Patienten aus Wien mit schwierigen Problemen befragten und vor Ort untersuchten. „Patienten und Operateure gingen mit einer klaren Empfehlung nach Hause.“
Daneben bekamen die Teilnehmer verbesserte Implantate und Instrumente vorgestellt. „Die Arthroskopie ist aus unseren OP-Sälen nicht mehr wegzudenken“, betont Primar El Attal, langjähriges AGA-Vorstandsmitglied. Die Gesellschaft zählt 5800 Mitglieder in Europa, vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der jährliche Kongress wird jeweils im Wechsel abgehalten. VN-MM
