Persönliches, das berührt und ankommt

Schulprojekt soll zur Entstigmatisierung von psychisch Erkrankten beitragen.
Bregenz Gerade Menschen mit psychischen Erkrankungen erleben oft eine Stigmatisierung als schwache Persönlichkeit, als lebensuntüchtig oder eben als verrückt. Dabei sind es Erkrankungen in vielen Varianten, mit vielen Symptomen und vielen verschiedenen Therapiemöglichkeiten. Dazu zählt die stationäre Aufnahme im Landeskrankenhaus Rankweil, und auch dort erleben Patienten durch den Aufenthalt in der „Valduna“ eine weitere Stigmatisierung. Dem will ein Schulprojekt der drei Institutionen pro mente (Sozialpsychiatrie), HPE (Verein für Hilfe für Angehörige und Freunde von psychisch Erkrankten) und Omnibus (Selbsthilfeverein von Menschen mit Psychiatrieerfahrung) entgegenwirken.
Dazu besuchen sie gemeinsam Schulen, wie das Gymnasium des Sacré Coeur in Bregenz. Diese Schulprojekte dauern drei bis vier Stunden, in denen die Schüler mit Vertretern dieser drei Einrichtungen ins Gespräch kommen. Vor allem die sehr persönlichen Schilderungen von Betroffenen berühren die jungen Leute. Erzählt eine Mutter im Rahmen dieses Vormittags von ihren Erfahrungen mit einem psychisch erkrankten Kind, hängen die Schüler an ihren Lippen.
Experten in eigener Sache
Die Schüler erfahren in diesem Projekt nicht nur von einzelnen psychischen Erkrankungen, sondern sie lernen aus verschiedener „Experten“-Sicht über die Entstehung, den Verlauf und die mögliche Heilung solcher Erkrankungen. Denn als Experten verstehen sich alle drei Vertreter. Ist es bei pro mente die Fachexpertise, sind es bei den Angehörigen und Betroffenen genau deren persönliche Erfahrungen, die sie zu Experten in eigener Sache machen, und die kann für andere von größter Bedeutung sein, vor allem, wenn sie zum ersten Mal mit einer psychischen Erkrankung in Berührung kommen. So betonen die drei Experten, dass gerade dieses Zusammenspiel für eine Genesung wichtig und auch gefordert ist. Betroffen ist nämlich immer die ganze Familie, und deshalb ist es dem HPE wichtig, dass alle drei Gruppen mit im Boot sind und sich gegenseitig verstehen und unterstützen. Dazu ist eine Entstigmatisierung der erste Schritt, denn psychische Erkrankungen brauchen Verständnis und nicht Vorurteile.
Stigmatisierungen sind nämlich nicht nur für Betroffene unangenehm und sogar schädlich, sondern auch für die Angehörigen, die darunter zu leiden haben. „Verständnis und Aufklärung sind also notwendig, und das kann dieses Schulprojekt leisten“, ist HPE-Obmann Stefan Riedmann überzeugt.
„Verständnis und Aufklärung sind dringend notwendig. Das kann dieses Schulprojekt leisten.“