Probe aufs Exempel: Aufnahmestopp bei Kassenärzten

Gesund / 11.06.2022 • 05:55 Uhr
Wer nur einen Kontrolltermin braucht, hört häufig: "Es herrscht Aufnahmestopp." <span class="copyright">APA</span>
Wer nur einen Kontrolltermin braucht, hört häufig: "Es herrscht Aufnahmestopp." APA

Kassenordinationen sind vertraglich verpflichtet, Patientinnen und Patienten zu versorgen. Geht es um Kontrolltermine, können diesen Anspruch nicht mehr alle Praxen erfüllen.

Bregenz Einen Termin beim Arzt auszumachen sollte einfach sein. Bloß: Bis man einen Termin erhält, kann es dauern – vor allem auf Kasse. In einer gemeinsamen Recherche machen die „Vorarlberger Nachrichten“, „Salzburger Nachrichten“ und die „Kleine Zeitung“ die Probe aufs Exempel.

Wir haben bei insgesamt 135 Kassenordinationen um den nächstmöglichen Kontrolltermin gebeten; etwa wegen Umzugs in eine neue Gemeinde oder weil der bisher behandelnde Arzt in Pension geht. Eingegrenzt haben wir die Suche auf die drei Fachbereiche mit den meisten unbesetzten Kassenstellen: jeweils fünf Kinderärzte, Gynäkologinnen und Augenärzte pro Bundesland. Unbesetzt sind österreichweit laut Ärztekammer derzeit 38 Kassenstellen für Kinderheilkunde, 22,5 für Frauenheilkunde und 9 für Augenheilkunde (Stand Q4/2021).

Probe aufs Exempel: Aufnahmestopp bei Kassenärzten
Die Grafik in voller Auflösung

Grundsätzlich gilt: Wer einen Kassenvertrag hat, kann Leistungen für Patientinnen und Patienten zu fixen Tarifen über die Krankenkasse abrechnen lassen. Im Gegenzug muss die Praxis zu gewissen Stunden geöffnet haben, Patientinnen und Patienten müssen behandelt werden – mit Kassenverträgen soll die medizinische Versorgung der breiten Bevölkerung sichergestellt werden. Die gemeinsame Recherche zeigt: Geht es um Kontrolltermine, ist das nicht immer der Fall.

135 Praxen, 28 Mal Aufnahmestopp

Von den 135 erreichten Kassenpraxen verkünden 28 einen Aufnahmestopp, zumindest für die kommenden Monate. Das ist rund ein Fünftel der Stichprobe. Bei 57 Ordinationen beträgt die Wartezeit bis zum ersten Termin über einen Monat. Die Recherche ist zwar nicht repräsentativ, zeigt jedoch eine Entwicklung in der medizinischen Versorgung im niedergelassenen Bereich für Kassenpatienten: Die Zahl der Ordinationen reicht nicht aus. Und das geht zulasten der Patientinnen und Patienten und der Ärzteschaft.

Kinderärzte dringend gesucht

Die Ergebnisse unterscheiden sich regional stark. In Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg ist es nahezu egal, ob man Kinder-, Frauen- oder Augenheilkunde braucht – auffällig oft heißt es am Telefon: „Es tut mir leid, wir können derzeit keine neuen Patienten mehr aufnehmen.“ Termine zu bekommen war einfacher in der Steiermark, Kärnten, Niederösterreich und dem Burgenland, wenn auch oft verbunden mit monatelangen Wartezeiten.  

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Augenärztinnen und -ärzte sind aber offenbar fast überall Mangelware. In der Steiermark kann sich glücklich schätzen, wer nur zwei Monate auf einen Kassentermin warten muss. In Niederösterreich und Tirol kommt man auf Kasse mitunter erst im nächsten Jahr dran und in Vorarlberg winken gleich vier der fünf kontaktierten Augenärzte ab. Zu ausgelastet seien die Praxen und nur mehr in Notfällen erreichbar, hieß es am Telefon.

Lange Wartezeiten auf Kasse

Wer privat zahlt, kann in manchen Fällen einen Aufnahmestopp umgehen: Während die Kassenpraxis einer Augenärztin in der Steiermark voll sei, gebe es in der Privatpraxis bereits übermorgen einen Termin, wurde angeboten. Wie viel privat zu zahlen ist, ist oft unklar. Eine Pauschale für eine Routinekontrolle gibt es bei den meisten Praxen nicht. Die Honorare schwanken zwischen 80 und 200 Euro und werden nur zum Teil von der Krankenkasse rückerstattet.

In einer gemeinsamen Recherche beleuchten die Salzburger Nachrichten, die Kleine Zeitung und die Vorarlberger Nachrichten unter anderem Themen wie den Ärztemangel, für diese Geschichte recherchierten Birgit Entner-Gerhold (VN), Magdalena Raos (VN), Elisabeth Adami (VN), Julia Herrnböck (SN), Julie Cecerle (SN) und Max Millier (KlZ).