Erfahrung und starke Nerven

In den Notaufnahmen sind rund um die Uhr Mitarbeitende im Einsatz.
feldkirch Ein Zehennagel, der schon seit zwei Monaten eingewachsen ist oder Patienten, die gerne ihren Cholesterinwert geprüft hätten: Das sind keine fiktiven Beispiele, sondern alltägliche Vorkommnisse in den Notfallambulanzen. „Jeder Patient hat eine gute Begründung, dass er dort auftaucht“, gibt sich Matthias Hellmair, Leiter der Interdisziplinären Notfallambulanz am LKH Feldkirch, diplomatisch. Dennoch sagt er, was gesagt werden muss: „Weniger dringende Beschwerden verlängern die Wartezeiten auch für solche Patienten, die eine akute Behandlung benötigen.“
Etwa die Hälfte der in den Notfallambulanzen in Feldkirch und dem LKH Bregenz auftauchenden Personen wären ebenso gut im niedergelassenen Bereich aufgehoben. Selbstzuweiser sind laut Hellmair die mit Abstand zweitstärkste Patientengruppe. Deshalb sein Appell beim Med Konkret-Vortrag: „Suchen Sie nicht unreflektiert eine Notaufnahme auf.“ Auch der Hausarzt könne einen Behandlungsbedarf feststellen.
Standardisiertes System
Als Kernaufgabe einer Notaufnahme nannte er die Akut- und Notfallversorgung von Patienten, die sich in einem lebensbedrohlichen Zustand befinden. Als Beispiele nannte er den akuten Schlaganfall, ein möglicher Herzinfarkt, ein schwerer Unfall, plötzlich stark ansteigendes Fieber und kolikartige Beschwerden. „Es geht um eine effiziente und qualitativ hochwertige Reaktion auf ungeplante Ereignisse und plötzlich beginnende Beschwerden“, fasste Matthias Hellmair zusammen. Grundsätzlich gilt: Wer zuerst Hilfe braucht, bekommt zuerst Hilfe. Für die Einschätzung der Behandlungsnotwendigkeit wird ein international standardisiertes System herangezogen.
„Bei starkem Patientenandrang ist es die Aufgabe der Ersteinschätzung herauszufiltern, wer den dringendsten Bedarf an einer Behandlung hat. Es wird also nicht willkürlich gearbeitet“, stellte Hellmair klar.
Handelt es sich um einen Akutfall, darf die Wartezeit maximal zehn Minuten betragen, ohne dass sich die Situation des Patienten in dieser Zeit verschlechtert. Die Zeitspannen insgesamt liegen zwischen zehn und 120 Minuten. Das sind jedoch keine Mindestwartezeiten. Sie sagen nur aus, wann spätestens der Patient von einem Arzt untersucht werden sollte. In Vorarlberg ist das Modell noch relativ neu. Nach der Ersteinschätzung beginnt das Pflegepersonal mit der Behandlung des Patienten, bis der zuständige Facharzt frei ist. Im Anschluss an eine potenzielle Diagnose erfolgt die entsprechende Therapie. Hellmair: „Am Ende werden die erhobenen Befunde mit dem Patienten final besprochen, und es wird über das weitere Vorgehen entschieden.“
Das Landeskrankenhaus Bregenz verfügt schon länger über eine Ambulante Erstversorgungseinheit (AEE). „Alle Patienten, die ohne Termin oder Überweisung kommen, werden in der AEE von einem Facharzt für Allgemeinmedizin begutachtet. Er entscheidet auch, ob der Patient eine Spitalsbehandlung benötigt oder zu einem niedergelassenen Arzt überwiesen werden kann“, erläuterte Katrin Stopp.

