Digitales Heimtraining hilft gegen Frust

Gesund / 15.04.2022 • 10:27 Uhr
Julia aus Höchst trainiert regelmäßig zuhause. VN/Steurer
Julia aus Höchst trainiert regelmäßig zuhause. VN/Steurer

Wissenschaftlerteam testete Effekt während des Lockdowns.

Graz, Frankfurt Die Auswirkungen von Covid-19: Die Menschen waren um 40 Prozent weniger körperlich aktiv, als im Frühjahr 2020 der erste Lockdown verhängt wurde. Dies hatte bereits eine vorangegangene internationale Studie unter der Leitung der Goethe-Universität Frankfurt gezeigt. Auch das psychische Wohlbefinden sank; der Anteil an Menschen mit einem Risiko für Depressionen verdreifachte sich. „Um diese nachteilige Entwicklung abzumildern, entwarf das Forschungsteam ein Online-Trainingsprogramm für zuhause und untersuchte, ob sich die gesundheitlich so wichtige körperliche Aktivität auch während eines Lockdowns aufrechterhalten lässt“, berichtete die Universität vor wenigen Tagen.

„Von 763 gesunden Probanden aus neun Ländern von vier Kontinenten trainierte die eine Hälfte vier Wochen mit einem Livestream-Programm, die andere bildete die Kontrollgruppe. Die Teilnehmer konnten aus täglichen Workouts, etwa mit dem Fokus Kraft, Ausdauer, Balance oder Entspannung, wählen. Professionelle Trainer begleiteten sie dabei aktiv mit Kamera und Mikrofon“, informiert die Universität. Wöchentlich füllten beide Gruppen standardisierte Fragebögen zu körperlicher Aktivität, Angstgefühlen, mentalem Wohlbefinden, Schlafqualität, Schmerz und Sportmotivation aus.

Onlinegruppe

Besonders wirksam war das Trainingsprogramm für das Bewegungsverhalten: Die körperliche Aktivität war anfangs in der Onlinegruppe durchschnittlich bis zu 65 Prozent höher als in der Vergleichsgruppe und auch nach vier Wochen noch um 20 bis 25 Prozent erhöht. Damit überschritten die Kursteilnehmer die WHO-Empfehlungen von mindestens 150 Minuten mäßiger oder 75 Minuten intensiver Bewegung pro Woche jeweils deutlich, während die Kontrollgruppe diese nur knapp erreichte. Gleichzeitig verbesserten sich die Motivation Sport zu treiben, das psychologische Wohlbefinden und der Schlaf; Angstgefühle nahmen ab. „Diese Verbesserungen sind zwar gering, aber dennoch potenziell relevant“, sagt Studienleiter Jan Wilke. „Unsere Testpersonen waren ja alle gesund. Die Effekte bei Patienten könnten deutlich größer ausfallen, insbesondere bei Menschen mit chronischen Erkrankungen“. Außerdem seien für solche Wirkungsstudien vier Wochen sehr kurz. Teilnehmer, die mehr Kurse als die geforderten zwei pro Woche belegten, gaben eine noch bessere Fitness und ein größeres Wohlgefühl an, notierten aber keine weiteren Verbesserungen bei Schlaf und Ängsten.