Kinder sind anders

Gesund / 03.12.2021 • 11:18 Uhr
Die Impfung für 5- bis 11-Jährige sollte ein Beitrag sein, auch Kinder vor Corona zu schützen.apa
Die Impfung für 5- bis 11-Jährige sollte ein Beitrag sein, auch Kinder vor Corona zu schützen.apa

Österreichische Studie zur Coronavirus-Infektion bei Kindern und Jugendlichen.

Graz Wie häufig zeigen Kinder mit einer Coronavirus-Infektion Symptome, und welche Symptome zeigen sie? Wie lange halten diese an? Gibt es „Long Covid“ bei Kindern? Wie belastet sind Eltern und Kinder durch eine kindliche Coronavirus-Infektion? All diese Fragen soll eine groß angelegte Studie beantworten, welche seit dem Frühjahr 2021 in einer Kooperation zwischen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), der Medizinischen Universität Graz (Med Uni Graz) und der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) durchgeführt wird. Nun konnten die ersten Zwischenergebnisse von 755 Kindern bis 14 Jahren präsentiert werden.

Repräsentative Stichprobe

Da Patientenstudien meist von Universitätskliniken durchgeführt werden, untersuchten bisherige Studien zu Infektionen mit SARS-Cov-2 bei Kindern hauptsächlich Patienten, die ein Krankenhaus aufgesucht haben. Die Mehrheit der infizierten Kinder zeigt aber nur milde Symptome und benötigt eher selten eine stationäre Betreuung. „Wir wollten ganz bewusst auch die Kinder zu unserer Studie einladen, die nicht im Krankenhaus behandelt wurden, um ein umfassenderes Bild der Erkrankung in dieser Altersgruppe zu erhalten“, sagt Volker Strenger, Kinderinfektiologe an der Med Uni Graz und Studienkoordinator der ÖGKJ.

Um ein verlässliches Bild während der Pandemieperiode von März bis November 2020 zu erlangen, wurde eine repräsentative Stichprobe mit ausreichender Größe (n=1271) aus der Gesamtanzahl der 0- bis 14-jährigen Infizierten gezogen und deren Familien zu einer Umfrage eingeladen, welche online oder telefonisch erfolgte. Neben spezifischen Symptomen der akuten Erkrankung wurde auch die psychosoziale Belastung der Kinder und deren Familien durch die Erkrankung sowie durch die nicht pharmakologischen Kontrollmaßnahmen wie Lockdown und Schulschließungen erfragt.

Milde Atemwegssymptome

Die Zwischenauswertung von 755 Kindern im Alter von 0 bis 14 Jahren zeigt, dass bei 25 Prozent der Fälle Beschwerden der Grund für eine PCR-Testung auf SARS-CoV-2 waren. „Im Verlauf der Infektion entwickelten 60 Prozent der positiv getesteten Kinder klinische Symptome einer akuten Covid-19-Erkrankung. Knapp sieben Prozent wurden bei einem Arzt oder einer Ärztin vorstellig, und 2,4 Prozent wurden in einem Krankenhaus aufgenommen“, berichtet Daniela Schmid, Infektionsepidemiologin und Studienkoordinatorin der AGES. Die 1- bis 5-Jährigen wurden häufiger stationär aufgenommen als ältere Kinder. „Dies muss nicht unbedingt bedeuten, dass die Erkrankung in dieser Altersgruppe häufiger schwer verläuft, da kleine Kinder oft auch zur Beobachtung aufgenommen werden oder um andere Diagnosen auszuschließen“, berichtet Strenger aus dem klinischen Alltag. Die unter Einjährigen präsentierten sich meist mit milden Atemwegs- Symptomen (Husten und Schnupfen) und Fieber, die Ein- bis Fünfjährigen hauptsächlich mit Fieber, und bei den die 10- bis 14-Jährigen traten deutlich häufiger Kopfschmerzen sowie eine Beeinträchtigung von Geruchs- und Geschmackssinn auf als bei jüngeren Kindern. Kurzatmigkeit wurde bei 1 von 20 Kindern beobachtet.

Schließungen als Belastung

Länger als vier Wochen nach der Infektion wurden bei 11 Prozent der Kinder Symptome beobachtet, welche als Folge der Infektion interpretiert werden können („Long Covid“), wobei ältere Kinder (10- bis 14- Jährige) mit 15,5 Prozent häufiger als jüngere Kinder betroffen waren. Als häufigstes „Long Covid“-Symptom wurde vermehrte Müdigkeit beobachtet, gefolgt von der Beeinträchtigung von Geruchs- und Geschmackssinns und Kurzatmigkeit. Ein weiterer interessanter Aspekt der Studie ist die psychische Belastung der Familien. Für 63 Prozent der befragten Erziehungsberechtigten wurde die Schließung von Schulen und Betreuungseinrichtungen belastender empfunden als die Infektion des Kindes.

„Das bedeutet nicht, dass die Erkrankung in dieser Altersgruppe häufiger schwer verläuft.“