Wirkungsvoll

LKH Hohenems baut Angebot minimalinvasiver Eingriffe aus.
Hohenems Die Tageschirurgie am LKH Hohenems und die Chirurgie am LKH Bregenz sind in den vergangenen anderthalb Jahren noch enger zusammengewachsen: Seit Mai 2020 stehen die Teams unter der Leitung von Primar Claudius Falch, der von Beginn an auf den Ausbau minimalinvasiver Operationstechniken und endoskopischer Behandlungsstrategien gesetzt hat. Die minimalinvasive Chirurgie hat in den Häusern eine lange Tradition und wird nun weiter vorangetrieben: Unter anderem konnte sich die Operationstechnik „E.P.Si.T.“ (Endoscopic Pilonidal Sinus Treatment) nun auch in der Tageschirurgie Hohenems erfolgreich etablieren.
Junge Menschen betroffen
Die minimalinvasive endoskopische Operationsmethode, die Primar Falch aus seiner Zeit am Universitätsklinikum Tübingen an die Vorarlberger Landeskrankenhäuser gebracht hat, behandelt chronisch-entzündliche Erkrankungen der Gesäßfalte. Die sogenannte Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis) betrifft überwiegend junge Menschen im Alter zwischen 16 und 30 Jahren. Meist sind es eingewachsene Haare, die zur Entzündung führen. Die Erkrankung kann aber auch bei geringer Körperbehaarung auftreten. Die Fisteln schmerzen vor allem beim Sitzen. Der Eingriff kann in Hohenems tageschirurgisch durchgeführt werden.
Bei der “E.P.Si.T“-Methode wird ein kleines Endoskop verwendet: „Der Vorteil gegenüber den herkömmlichen Operationen, insbesondere zu der offenen OP-Variante, ist die deutlich kleinere Wunde. Sie beträgt etwa ein bis anderthalb Zentimeter im Durchmesser und bereitet kaum Schmerzen. Die Methode ermöglicht es den Patienten, schon nach ein bis zwei Tagen wieder zur Schule, zur Ausbildung oder zur Arbeit zu gehen“, erklärt Falch. „Auch die Langzeiterfolge sind den herkömmlichen Methoden mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen. Eine Variante dieser Technik ermöglicht außerdem die Schließmuskel-schonende Therapie komplexer Analfisteln.
„Der Vorteil zu den alternativen Operationen ist, dass der komplette Eingriff unter Sicht erfolgt“, ergänzt der Spezialist. Fisteln sind Gänge, die durch Entzündungen entstehen und sich selten von allein verschließen. Fisteln im Anal- und Steißbeinbereich sind häufige Erkrankungen, und sie bedeuten eine Einschränkung der Lebensqualität: „Die Beschwerden sind allerdings oft mit Scham behaftet“, fügt Falch hinzu. „Die Dunkelziffer nicht diagnostizierter Fistelleiden wird dementsprechend hoch eingeschätzt.“
Tageschirurgie als Angebot
In der Regel informieren Fachärzte im niedergelassenen Bereich die Patienten über die tageschirurgischen Möglichkeiten und besprechen die Vorteile einer Überweisung. Tageschirurgie ist ein Angebot, aber kein Muss. In Frage kommen Menschen, die – abgesehen vom bevorstehenden Eingriff – gesund und in ein familiäres Umfeld eingebettet sind, das sich im Anschluss an die OP zu Hause um die Nachsorge kümmern kann. In den 14 Jahren seit Einführung einer eigenständigen Abteilung „Tageschirurgie Hohenems“ haben schon über 2400 Patienten jährlich eine ambulante oder tageschirurgische Behandlung in Anspruch genommen.