Die Behandlung der Seele

Die Corona-Pandemie als gesellschaftliches Trauma.
Dornbirn Die „Behandlung der Seele“ wie man die Psychotherapie übersetzen kann, hat während der Corona-Pandemie den Status des „systemerhaltenden Berufes“ bekommen. Es ist keine besondere Ehre, sondern meint, ausschließlich während der Pandemie die psychotherapeutischen Praxen offen halten zu können und ebenso telefonisch oder mit Videotelefonie behandeln zu dürfen. Es bedeutet als Behandler auch – inmitten dieses gesellschaftlichen Traumas – selbst Betroffener zu sein. Eine noch nie dagewesene Situation!
Bedarf an Unterstützung steigt
Der Bedarf an psychischer Unterstützung und Behandlung ist inzwischen in hohem Maße gestiegen, insbesonders bei Kindern und Jugendlichen. Die pandemiebedingte soziale Isolation, die Angst vor dem Virus (oder vor der Impfung) und das tatsächliche Erleben von Erkrankung und Tod hat viele Menschen verstört. Bereits belastete Personen weisen meist eine Verstärkung ihrer bisherigen Symptomatik auf, so etwa Ängste, Schlaflosigkeit, mangelnde innere Sicherheit, sozialer Rückzug, Antriebslosigkeit, Suizidgedanken, aber auch Zukunftssorgen, Planungsunsicherheit, Arbeitslosigkeit.
Zudem sind die Mitarbeitenden der sogenannten systemerhaltenden Berufe, besonders aber im Sozial- und Gesundheitsbereich, sowie Menschen, die noch Kriegserfahrungen in ihrer Biografie aufweisen, maximal belastet. Die Corona-Pandemie ist nämlich durchaus als gesellschaftliches Trauma zu bewerten und weist damit Ähnlichkeiten zu Kriegserfahrungen auf. Ebenso ist daher auch die Gruppe der Asylberechtigten behandlungsbedürftig. Kriegsfolgestörungen, wie auch die Posttraumatische Belastungsstörung, zeigen sich in Schlaf- und Konzentrationsmängeln, in Aggression und Depression, sowie sich aufdrängenden Erinnerungen traumatischer Erlebnisse.
Leider fehlen österreichweit und auch in Vorarlberg leistbare Behandlungsplätze in ausreichender Zahl. Zuschüsse der Versicherungen sind seit Jahren viel zu niedrig und die sogenannten Kontingent-Plätze längst überbucht!
Ungleichbehandlung
Wenn nun in Österreich regelmäßige Einkommen ausbleiben – durch Arbeitslosigkeit, Erkrankungen oder Tod – können sich Menschen psychotherapeutische Behandlungen nicht mehr leisten! Die mangelhaften Versicherungsleistungen stellen immer noch eine eklatante Ungleichbehandlung zwischen körperlichen und seelischen Leidenszuständen dar.
VLP-Vorarlberg, Landesverband für Psychotherapie, Tel. 05572/21463, E-Mail: vlp@psychotherapie.at und www.vlp.or.at