Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Das letzte Mittel

Gesund / 06.08.2021 • 10:32 Uhr

Erinnern Sie sich noch an Mr. Lordi? Er nahm mit seiner Band 2006 am Eurovision Song Contest teil, wobei er und sein Gefolge mehr durch die Monsterkostüme als die Musik auffielen. Gewonnen haben die Finnen den Bewerb damals trotzdem. Wie es mit den Hardrockern aus dem hohen Norden anschließend weiterging, entzieht sich, muss ich gestehen, meiner Kenntnis, da wir musikalisch nicht eben auf einer Wellenlänge waren. Was Mr. Lordi vermutlich mehr als egal war. Jetzt machte er in anderer Sache wieder von sich reden. Er trat nämlich in seinem bekannt furchterregenden Bühnen-Outfit zur zweiten Coronaimpfung an. Sein Auftritt war dazu gedacht, vor allem jüngere Menschen zur Coronaimpfung zu ermutigen. Ob die Botschaft der monstermäßigen Aktion ihre Adressaten fand, wurde nicht kommuniziert. Es wäre zu hoffen.

Es ist nicht die einzige Initiative, die der schwächelnden Impfbereitschaft neuen Schwung verleihen soll. Der Landkreis Berchtesgadener Land trieb es im wahrsten Sinne des Wortes sogar auf die Spitze. Auf 1800 Metern Seehöhe wartete ein Impfteam auf impfwillige Wanderer. Das schlechte Wetter lockte zwar nur wenige Bergfreunde auf den Jenner, aber immerhin elf zogen geimpft wieder von dannen. Geht‘s noch niederschwelliger? Wohl kaum, wobei sich die Liste der unkonventionellen Bemühungen, um die inzwischen bis zum Überfluss verfügbaren Impfdosen anzubringen, vermutlich beliebig lange fortsetzen ließe. Nach meinem Verständnis sollte aber schon der gesunde Hausverstand reichen, um sich und nicht zuletzt die Menschen in unserem Umfeld zu schützen. Einer allein kann den Kampf gegen die Pandemie nicht gewinnen. Da müssen alle, oder zumindest sehr viele ran. Auch die Jungen sind in der Pflicht. Es liegen wieder einige Covidpatienten im Krankenhaus, auch auf der Intensivstation. Der Altersdurchschnitt? Um die 30. Vielleicht gibt das ja zu denken. Sonst könnte die Impfpflicht tatsächlich das letzte Mittel sein.

Marlies Mohr

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