Krebs geht auch an die Knochen

Gesund / 30.07.2021 • 10:42 Uhr
Ohnehin schon geschwächte Krebspatienten sind häufig auch noch von Knochenbrüchen und Osteoporose betroffen.symbol/afp
Ohnehin schon geschwächte Krebspatienten sind häufig auch noch von Knochenbrüchen und Osteoporose betroffen.symbol/afp

Karl Landsteiner Privatuniversität legt neue Studie zur Kachexie vor.

Krems Der starke Verlust an Muskelmasse und Gewicht, den viele Krebspatienten im Laufe ihrer Krankheit erleiden, hat auch Auswirkungen auf den Knochenstoffwechsel. Das zeigen aktuelle Ergebnisse einer Studie an der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften Krems (KL Krems). In dieser konnte eine deutliche Korrelation zwischen der als Kachexie bezeichneten Abmagerung und dem starken Anstieg von Biomarkern des Knochenabbaus festgestellt werden. Die Ergebnisse könnten die Grundlage für neue Präventionsmaßnahmen darstellen, um Osteoporose und Knochenbrüche in dieser bereits stark geschwächten Patientengruppe zu verhindern. Veröffentlich wurden die Ergebnisse jetzt im internationalen Fachjournal BMC Cancer.

Auszehrung als Folge

Eine fortgeschrittene Krebserkrankung führt in etwa bei der Hälfte aller Patienten zu einer Auszehrung. Dieser als Kachexie bezeichnete Prozess ist von starkem Schwund des Fett- und Muskelgewebes sowie von systemischen Entzündungen geprägt. Auch der Stoffwechsel vieler Organe inklusive der Knochen wird dabei verändert. Knochenschäden sind bei Krebsbetroffenen zwar seit Langem bekannt, doch wurden dafür bisher Skelettmetastasen oder hormonbasierte Therapien verantwortlich gemacht. Ob auch die Kachexie ursächlich dafür sein könnte oder einen Beitrag leistet, haben nun Mediziner der KL Krems untersucht und dabei schlüssige Ergebnisse gefunden.

„Unsere Ergebnisse belegen, dass Kachexie zumindest bei männlichen Krebspatienten einen negativen Einfluss auf das Gleichgewicht von Knochenauf- und -abbau hat und dadurch zu Knochenschäden führt“, erläutert Sonia Vallet, Oberärztin an der Inneren Medizin 2 des Universitätsklinikums Krems und Leiterin der Studie. Der Schlüssel zu dieser Erkenntnis war das Messen von Biomarkern im Blut männlicher Betroffener, die mit dem Knochenaufbau oder -abbau in Zusammenhang stehen.

Zu Beginn der Studie wurden der Gewichtsverlust, der Body-Mass-Index sowie die Muskelmasse der übrigens ausschließlich männlichen Patienten erfasst. Darauf basierend konnten jene Patienten ermittelt werden, die bereits bei Studienbeginn an Kachexie litten, das waren 60 Prozent, und jene, auf die dies nicht zutraf, was 40 Prozent betraf. Letztere dienten der Studie als Kontrollgruppe. Alle zu Studienzwecken verwendeten Patientenproben wurden vor Beginn der Krebstherapie gesammelt, sodass der Einfluss der Behandlung auf die Ergebnisse ausgeschlossen werden konnte.

Indikator für Mangelernährung

Tatsächlich gelang es dem Team um Vallet so, für kachektische Patienten zu zeigen, dass die Konzentration gewisser Biomarker höher war als in der Kontrollgruppe. Unter den zahlreichen Faktoren, die mit Knochenabbau einhergehen können, wurden zwei im Blutplasma von Krebsbetroffenen identifiziert: eine Erhöhung des Entzündungsmarkers C-reaktives Protein und eine verminderte Konzentration des Plasmaproteins Albumin, ein Indikator für Mangelernährung. Diese Prädiktoren des Knochenabbaus sind bei kachektischen Patienten häufig nachweisbar – ein weiterer starker Hinweis, dass Kachexie ursächlich zum Knochenabbau beiträgt. „Unsere Ergebnisse beleuchten die Komplexität des Knochenstoffwechsels bei Krebspatienten und bilden die Grundlage für Präventionsmaßnahmen gegen Osteoporose und Knochenbrüche bei Betroffenen mit Tumorkachexie, wie beispielweise Bisphosphonate“, reflektiert Vallet die nachhaltige Bedeutung der Studie.

Damit könnte das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche in dieser schon extrem belasteten Patientengruppe reduziert werden.

„Die Ergebnisse beleuchten die Komplexität des Knochenstoffwechsels bei Krebs.“