Cholesterin schon in ­jungen Jahren messen

Gesund / 04.06.2021 • 11:22 Uhr
Cholesterin schon in ­jungen Jahren messen

Herzinfarkt oder Schlaganfall später besser vorhersagbar.

Dornbirn Im Rahmen einer Kooperation zwischen dem VIVIT-Institut und dem aks haben sich Vorarlberger Forscher und Ärzte in einer Studie mit der Risiko-Vorhersage bei älteren Herz-Patienten beschäftigt. Die Erkenntnis aus der Studie ist, dass ein Cholesterinwert, der in jüngeren Jahren gemessen wird, das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, wie Herzinfarkt oder Schlaganfall im späteren Leben deutlich besser vorhersagt, als der Cholesterinwert des Patienten im höheren Alter, sprich ein aktueller Cholesterinwert. „Wir empfehlen daher eine Cholesterinmessung in früheren Lebensabschnitten“, erklärt Privatdozent Andreas Leiherer vom VIVIT Vorarlberg.

Die Arbeit mit dem Titel “Value of Total Cholesterol Readings Earlier versus Later in Life to Predict Cardiovascular Risk” wurde unlängst in der angesehenen Fachzeitschrift EBioMedicine veröffentlicht: Es konnte gezeigt werden, dass das sogenannte Gesamtcholesterin einen deutlich höheren prognostischen Wert hat, wenn es zu einem früheren Zeitpunkt im Leben gemessen wird, nämlich zu einer Zeit, in der die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer gesund waren und noch keine cholesterinsenkenden Statine eingenommen hatten. Die Vorhersage des kardiovaskulären Risikos ist damit besser möglich, als das mit Messungen in fortgeschrittenem Alter der Fall ist.

1090 Österreicherinnen und Österreicher, die das Angebot einer Vorsorgeuntersuchung genutzt haben, nahmen an der Studie teil. Die kostenlose Gesundenuntersuchung wird in der Bevölkerung sehr gut angenommen: Deutlich mehr als die Hälfte der Bevölkerung hat bereits in den 1980ern an diesen Vorsorgeuntersuchungen teilgenommen. In der vorliegenden Studie hatten die Forscher daher die besondere Gelegenheit, ältere Daten aus einer sehr frühen Vorsorgeuntersuchung der 1980er-Jahre, an der klinisch gesunde und Statin-naive Personen mit einem Altersdurchschnitt von 51 Jahren teilgenommen hatten, mit denen einer aktuellen Studie bei Herz-Patienten (im Schnitt 66 Jahre alt) zu kombinieren.

Beide Studien fanden in Vorarlberg statt, wurden in identischen Laboren und mit einem zeitlichen Versatz von im Schnitt 15 Jahren gemessen. Die Daten stammten von denselben Studienteilnehmern: Einmal als junge und gesunde Probanden und später als Patienten der Kardiologie. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Gesamtcholesterin und den Ergebnissen einer Herzkranzgefäß-Untersuchung sowie dem Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse in den folgenden 19 Jahren.

Parameter für Risikoprognosen

Gerade im höheren Alter wird die Vorhersage des kardiovaskulären Risikos für die meisten Menschen zu einem größeren Thema. Gesamtcholesterin ist seit langem einer der am häufigsten verwendeten Parameter für die Risikoprognose und findet auch in den aktuellen Leitlinien der europäischen Atherosklerose-Gesellschaft (EAS) bzw. der europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) Verwendung. Die Studiendaten haben klar gezeigt, dass für die aktuelle Risikovorhersage von älteren Patienten die Gesamtcholesterinwerte, die man im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung 15 Jahre vorher gemessen hat, ein viel besserer Prädiktor für das Vorliegen einer Arterienverkalkung und zukünftiger kardiovaskulärer Ereignisse waren, als die aktuellen Messungen.

Die sich daraus ergebende Schlussfolgerung erscheint einfach: Die Cholesterinmessung sollte früh im Leben beginnen, und diese Daten sollten langfristig für die Risikovorhersage gespeichert werden.

„Im fortgeschrittenen Alter wird die Vorhersage des kardiovaskulären Risikos ein Thema.“