Heimtückische Blutsauger

Noch häufiger als FSME übertragen Zecken die Borreliose.
Feldkirch Mit den frühsommerlichen Temperaturen werden auch die Zecken wieder aktiv und lauern im hohen Gras, in Sträuchern und im Unterholz. In Vorarlberg ist es vor allem der „Gemeine Holzbock“ aus der Familie der Schildzecke, der mit seinem scherenartigen Mundwerkzeug zwickt, sticht und saugt und mit seinem Speichel Viren und Bakterien übertragen kann. FSME, also die Frühsommer-Meningoenzephalitis, tritt auch in Vorarlberg immer häufiger auf. Im vergangenen Jahr waren es elf Fälle. Noch öfter kommt die Borreliose vor, eine ebenfalls von Zecken übertragene Infektionskrankheit.
Schnell weg damit
Während es gegen FSME eine Schutzimpfung gibt, ist das bei Borreliose nicht der Fall. „Die Borrelien fühlen sich vor allem in den Körpern von Kleinnagern und Vögeln wohl. Hat sich eine Zecke von einem befallenen Tier ernährt, können sich die Bakterien auch im Darm des Blutsaugers ansiedeln“, erklärt Oberarzt Richard Stockinger vom Institut für Pathologie im LKH Feldkirch. Sticht diese Zecke dann einen Menschen, wandern die Bakterien in die Speicheldrüsen der Zecke. Beim Saugen gelangt der Speichel in den Körper des Menschen und mit ihm auch die Bakterien. Da die Wanderung der Borrelien aus dem Darm der Zecke in die Speicheldrüsen Zeit braucht, kann eine frühzeitige Entfernung der Zecke eine Krankheitsübertragung verhindern. Prinzipiell gilt: Je früher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Risiko einer Übertragung.
Die meisten Krankheitsfälle werden von Juni bis August gemeldet. „Nach einem Aufenthalt im Freien sollte der Körper sorgfältig nach Zecken abgesucht werden“, rät Richard Stockinger. „Insbesondere bei Kindern können sie auch am Kopf sitzen. Wir empfehlen, Haustiere ebenfalls regelmäßig abzusuchen.“. Ist einmal eine Übertragung mit Borrelien passiert, führen die wenigsten Infektionen tatsächlich zu Krankheitssymptomen: „Nach dem Stich kommt es in rund 20 Prozent der Fälle zu einer Reaktion auf das Bakterium mit Bildung von Antikörpern“, erklärt Stockinger: „Allerdings zeigen nur zwei Prozent der Infizierten Symptome.“ Daher wissen viele gar nicht, dass sie einmal Kontakt mit Borrelien hatten. Nach Angaben der Experten ist der Anteil der Bevölkerung mit einem Antikörpernachweis relativ hoch: „Wir wissen, dass bei rund zehn Prozent der Blutspender Antikörper nachweisbar sind, 30 Prozent sind es bei den Waldarbeitern und bis zu 70 Prozent bei Jägern.“
In der Frühphase einer Borrelien-Infektion treten Symptome wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Kopf- und Nackenschmerzen, Muskel- und Gelenksschmerzen sowie Lymphknotenschwellungen und Fieber auf. Nach Angaben von Richard Stockinger können in der Folge verschiedene Organsysteme betroffen sein: „Das gilt insbesondere für das Haut- und Nervensystem.“ Generell unterscheiden die Fachleute zwischen frühen und späten Formen der Erkrankung: „Das häufigste Erkrankungsbild in der Frühphase ist die Wanderröte, eine kreisförmige Rötung der Haut, die mindestens fünf Zentimeter Durchmesser erreicht und erst drei bis 30 Tage nach dem Zeckenstich auftritt.“
Ärztliche Abklärung
Symptome gehören ärztlich abgeklärt. Unbehandelt können sich späte Formen der Borreliose entwickeln. Weil andere Erkrankungen ähnliche Symptome verursachen können, lässt sich auch durch eine sorgfältige Untersuchung eine Borrelien-Infektion nicht immer eindeutig bestimmen. Der Kontakt kann aber über eine Blutuntersuchung nachgewiesen werden, und das geschieht am Institut für Pathologie. „Konkret werden hier jene Antikörper bestimmt, die infolge einer Borrelien-Infektion gebildet werden“, erklärt Stockinger.
„Nach einem Aufenthalt im Freien sollte der Körper gut nach Zecken abgesucht werden.“
