“Das muss man erst einmal aushalten”

Gesund / 26.03.2021 • 12:03 Uhr
Pflegedirektor Arno Geiger und Primar Peter Cerkl ließen das Covid-Jahr 2020 aus Sicht des LKH Hohenems noch einmal Revue passieren. vn
Pflegedirektor Arno Geiger und Primar Peter Cerkl ließen das Covid-Jahr 2020 aus Sicht des LKH Hohenems noch einmal Revue passieren. vn

Vertreter des LKH Hohenems ließen ein herausforderndes Jahr Revue passieren.

hohenems Es waren nur ein paar Sätze, kurz eingeflochten in die Beantwortung einer Frage, doch sie standen sinnbildlich für die Belastung des Spitalspersonals während der Hochphasen der Coronapandemie. Arno Geiger, Pflegedirektor im Landeskrankenhaus Hohenems, erzählte von einem Mitarbeiter, der seinen Dienst quittierte, nachdem er die Todesanzeige eines Covid-19-Patienten gesehen hatte, den er davor sechs Wochen gepflegt hatte. Auch das macht Covid mit Menschen. „Das muss man erst einmal aushalten“, merkte Arno Geiger an.

Große Unsicherheiten

Das LKH Hohenems war neben dem LKH Bludenz im Frühjahr 2020 zum Covid-Schwerpunktspital umfunktioniert worden. Der erste Patient kam am 5. März. Es sollten noch viele folgen. „Es gab in der erste Welle wenig Wissen über die Erkrankung, ihre Behandlung und wie sich alles entwickeln würde, aber wir mussten die Herausforderung trotz großer Unsicherheiten annehmen“, berichtete Arno Geiger von anfänglichen Engpässen bei der Schutzausrüstung und bei Testkapazitäten, sodass Verdachtsfälle oft lange die Intensivbetten belegten. Dem Personal fehlte die Erfahrung im Umgang mit Covid-19, „es war total überfordert“, räumte Geiger freimütig ein. Doch mit viel Engagement konnten die Hürden gemeistert werden.

Als im Herbst die zweite Welle über das Land hereinbrach, waren die Krankenhäuser besser vorbereitet. Geiger: „Wichtig war, dass sich jetzt alle Spitäler um die Behandlung von Covidpatienten kümmerten, sodass zumindest ein eingeschränkter Normalbetrieb gefahren und das Personal so entlastet werden konnte.“ Auf den Intensivstationen stieg die Belastung allerdings, weil es mehr schwere Krankheitsverläufe gab. Zudem fielen Mitarbeitende selbst wegen Corona aus. „Jetzt sind alle müde“, sagte der Pflegedirektor und betonte die Notwendigkeit der Aufarbeitung des Geschehens sowie der intensiven Betreuung des Personals, um Abgänge zu vermeiden. Die kämen gar nicht gelegen, denn allein für die Intensivstationen gibt es laut Geiger einen Personalmehrbedarf von 30 bis 40 Prozent.

Den medizinischen Rückblick gestaltete Primar Peter Cerkl, Leiter der Pulmologie im LKH Hohenems. Auch er berichtete von vielen Unsicherheiten zu Beginn der Pandemie, von einer WhatsApp-Gruppe, in der er sich mit Experten aus Italien, Deutschland und den USA über Behandlungsmöglichkeiten von Covidpatienten austauschte. Medikamente? Künstliche Beatmung invasiv oder nichtinvasiv? Es galt, auf viele Fragen die passenden Antworten zu finden. Inzwischen zeigt sich alles klarer. „Die nichtinvasive hochdosierte Sauerstofftherapie wird, so lange es geht, einer maschinellen Beatmung vorgezogen“, erläuterte Cerkl. Wie sich die Lage insgesamt weiterentwickelt, lasse sich indes schwer sagen. Für den Lungenfacharzt steht jedoch fest, dass es im Kampf gegen die Pandemie mit Impfen nicht getan ist. „Wir brauchen eine Kombination aus Medikamenten und Impfen.“