Ärzte registrieren mehr verschleppte Herzinfarkte

Wien Seit Pandemie-Beginn ist die Zahl der Patienten mit akutem Herzinfarkt an der Abteilung für Kardiologie von AKH und MedUni Wien um 26 Prozent gesunken. Außerdem verlängerte sich die Zeit von den ersten Symptomen bis zum Eintreffen im Krankenhaus von rund sechseinhalb auf 18 Stunden. Zugleich starben mehr Herzinfarktpatienten außerhalb des Spitals, teilt das Universitätsklinikum AKH Wien mit.
Auf der Klinischen Abteilung für Kardiologie wurde seit März 2020 eine deutliche Zunahme von Patientinnen und Patienten mit verschlepptem Herzinfarkt festgestellt, heißt es in der Aussendung. Die Mediziner gehen davon aus, dass viele Betroffene die ersten Symptome ignorieren und aufgrund von Coronasicherheitsvorkehrungen oder Angst vor einer Ansteckung nicht zum Arzt gehen. Das AKH betont: Je schneller nach Auftreten der ersten Beschwerden eine Abklärung passiert, desto besser ist es für die Aufrechterhaltung der Herzleistung und damit auch für das Überleben des Menschen.
Schwieriger
„Das verspätete Eintreffen im Krankenhaus nach Auftreten der ersten Beschwerden führt dazu, dass der Verschluss des Herzkranzgefäßes technisch schwieriger zu behandeln ist, da sich in dem verschlossenen Gefäß mit der Zeit zunehmend feste Gerinnsel bilden“, erläutert Christian Hengstenberg, Leiter der Kardiologie. „Je länger das Herzkranzgefäß verschlossen ist, desto größer ist die Gefahr für eine dauerhafte Schädigung des Herzens.“
Herzinfarkte kommen häufig vor und sind in etwa 50 Prozent der erste wahrgenommene Hinweis auf eine bereits bestehende Herzerkrankung. Dies führt laut den Experten manchmal dazu, dass Beschwerden fehlgedeutet werden. So werden drückende Schmerzen im Oberbauch als Magenverstimmung interpretiert. Im EKG allerdings wäre schon gleich ein Herzinfarkt sichtbar, der sofort behandelt werden muss. Bei länger als zehn Minuten dauernden Beschwerden im Brustbereich sollte laut Kardiologen die Rettung gerufen werden.