Gesunde Balance
Stellen Sie sich vor, es ist Fasching und keiner geht hin. Dieser ebenso bekannte wie geflügelte Satz, der sich seit Corona auf beinahe alle Lebensbereiche anwenden lässt, schleicht sich derzeit immer dann in meine Gedanken, wenn ich durch unser Dorf gehe oder radle und die bunten Fahnen mit den lustigen Clowngesichtern an den Lichtmasten sehe. Kraft- und freudlos hängen sie da im Wind. Müder Abklatsch einer Faschingssaison, die nicht stattfinden durfte. Vermutlich spiegeln sie die Stimmung all jener wieder, die gerne der Narretei gefrönt hätten. Doch damit und mit allen anderen Späßen wird es heuer nichts. Wenigstens war den Mädchen und Buben in den Kindergärten vor den Ferien noch ein bisschen Kostümzauber beschieden. Sie haben sich gefreut wie kleine Honigkuchenpferdchen.
Irgendwie hat man sich schon daran gewöhnt, dass nichts mehr ist wie vorher. Die Tage fließen ineinander über, als ob es keine Zeitgrenzen mehr gäbe. Nichts, das Abwechslung oder Vorfreude verheißen würde. Ohne die turbulenten Tage der Fasnacht könnte man auch glatt übersehen, dass kommende Woche schon wieder die vorösterliche Fastenzeit beginnt. Wäre der Aschermittwoch im Kalender nicht explizit ausgewiesen, würden es vermutlich viele gar nicht merken, dass das Jahr ein anderes Kapitel aufgeschlagen hat. Trotzdem innehalten, wo wir uns eh schon monatelang in Zeit und Raum verlieren? Es könnte wohl nicht schaden. Die Besinnung auf sich und auf das, was das Leben immer noch und gerade jetzt ausmacht, auch wenn die Pandemie fast alles überlagert, kann helfen, eine gesunde Balance zu bewahren oder neu zu finden. Wir werden sie noch lange und mehr denn je brauchen.
Marlies Mohr
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