Augen-Mythen unter der Lupe

Helfen Karotten tatsächlich gegen Nachtblindheit?
Bludenz Im Oktober wird alljährlich weltweit dem wichtigsten Sinnesorgan, nämlich den Augen gedacht. Die Vorarlberger Augenoptiker klären über häufige Glauben und Irrglauben rund um das gute Sehen auf.
Etwa 80 Prozent der Informationen werden von den Augen aufgenommen. „Das Auge ist unser wichtigstes Sinnesorgan. Kein Wunder, dass es dazu sehr viele Mythen gibt. Wer hat zum Beispiel nicht schon als Kind von den Eltern gehört, dass man vom vielen Fernsehen Quadrataugen bekommt oder dass Karotten gut für die Augen sind?“, nennt Simon Bitsche, Berufsgruppensprecher der Augenoptiker, zwei legendäre Beispiele. Die Landesinnung hat deshalb einige weitverbreitete Glauben und Irrglauben genauer unter die Lupe genommen.
Sehfehler sind keine Krankheiten. Wer Fehlsichtigkeiten wie Kurzsichtigkeit, Übersichtigkeit (umgangssprachlich „Weitsichtigkeit“) und Hornhautverkrümmung hat, ist nicht krank. In der Regel haben Fehlsichtigkeiten eine genetische Komponente, können aber auch durch Umweltbedingungen verstärkt werden. „Wichtig ist das regelmäßige Messen der Sehstärke.“
Karotten gegen Nachtblindheit. Wahr ist, dass Carotin im Körper in Vitamin A umgewandelt wird. Dieses wiederum sorgt dafür, dass die Netzhaut mehr Licht aufnehmen kann, was das Sehen im Dunklen verbessert. „Das heißt jedoch nicht, dass Sie nun kiloweise Karotten essen sollten. In den westlichen Industrieländern nehmen wir bereits ausreichend Vitamin A zu uns“, beruhigt der Berufsgruppensprecher. „Wenn Sie bemerken, dass Sie im Dunklen zunehmend schlecht sehen, ist das jedoch sehr häufig ein Zeichen für einen Sehfehler, der mit dem Alter ausgeprägter wird und mit hoher Blendungsempfindlichkeit einhergeht. Lassen Sie in dem Fall unbedingt und bald Ihre Sehkraft testen“, rät Simon Bitsche.
Fernsehen schadet den Augen. „Tatsächlich begünstigen häufiges Fernsehen, Computerspiele und dergleichen die Kurzsichtigkeit, gerade bei Kindern“, sagt der Experte. Das liegt aber nicht primär an den Bildschirmen, sondern daran, dass die Augen stundenlang auf eine relativ kurze Sehdistanz fixiert werden. Auch das lange Bücherlesen begünstigt demnach das Problem, denn die Augen brauchen den häufigen Wechsel zwischen Nah- und Fernblick. Wer viele Stunden mit Bildschirmen verbringt, braucht eine Computerbrille, die individuell auf diese Arbeit und die Distanz zum Bildschirm ausgerichtet ist“, betont der Berufsgruppensprecher.
Brille tragen macht Augen faul? Nein! „Der Irrglaube, dass man alleine mit Augenübungen Fehlsichtigkeiten wegbekommen kann, ist ein schädlicher Mythos“, sagt Bitsche. Prinzipiell lassen sich Sehschwächen nicht heilen oder wegtrainieren. Auch Brillen und Kontaktlinsen verändern die grundsätzliche Sehstärke nicht, aber sie wirken korrigierend.
Männer erkennen Farben schlechter. Den Unterschied gibt es tatsächlich. „Studien haben gezeigt, dass nur etwa 0,5 Prozent der Frauen, aber acht Prozent der Männer an einer Farbenfehlsichtigkeit leiden, insbesondere einer Rot-Grün-Sehschwäche“, erklärt Bitsche.