Wie man richtig radelt

Gesund / 28.08.2020 • 11:17 Uhr
Besonders wichtig, um auch bei langen Touren Spaß am Radfahren zu haben und den Rücken zu schonen, ist laut Professor Grifka die richtige Sitzposition. VN/Paultisch
Besonders wichtig, um auch bei langen Touren Spaß am Radfahren zu haben und den Rücken zu schonen, ist laut Professor Grifka die richtige Sitzposition. VN/Paultisch

Tipps, wie sich Rückenschmerzen, steifer Nacken, eingeschlafene Hände oder taube Finger vermeiden lassen.

Bad Abbach „Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren“, wusste schon John F. Kennedy. Und immer mehr Menschen tun es ihm gleich. Die Coronapandemie hat in den vergangenen Monaten das Radeln nochmals populärer gemacht. „Leider riskieren viele Menschen durch eine falsche Haltung auf dem Rad Rückenschmerzen, einen steifen Nacken, eingeschlafene Hände oder taube Finger“, sagt Professor Joachim Grifka, Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Regensburg Asklepios in Bad Abbach und ergänzt: „Meist genügen bereits wenige Anpassungen, um diese Symptome zu lindern.“

Die richtige Sitzposition

Besonders wichtig, um auch bei langen Touren Spaß am Radfahren zu haben und den Rücken zu schonen, ist laut Grifka die richtige Sitzposition. Der Oberkörper sollte leicht nach vorn geneigt sein, der Schwerpunkt des Körpers über den Pedalen liegen. Wer sich zu weit nach vorn neigt, muss damit rechnen, dass er die Halswirbelsäule überstreckt oder auch die Handgelenke überlastet.

Pausen helfen

Verspannungen im Nacken plagen nicht nur Freizeitradler. Gerade beim Rennradfahren nehmen Sportler eine eher gestreckte Position ein und legen den Kopf in den Nacken. Grifka, der auch Autor des Ratgebers „Rücken“ ist, rät: „Halten Sie ab und zu an, um Kopf- und Nackenmuskulatur zu lockern.“ Hilfreich sei es auch, diese Pausen für Entspannungs- oder Dehnungsübungen zu nutzen. Wer bereits Probleme mit dem Nacken hat, dem empfiehlt der Mediziner ein Fahrrad mit eher aufrechter Sitzposition.

Optimale Sattelhöhe

Gebeugte Arme stützen beim Radfahren den Oberkörper. Als „Idealmaß“ gilt ein Winkel von 90 Grad zwischen Armen und Rücken. Das gelingt so: den Lenker nicht zu weit nach vorne einstellen und vor allem den Sattel in der richtigen Höhe positionieren. „Die Ferse sollte bei durchgestrecktem Bein das Pedal berühren. Der Sattel sollte also so eingestellt sein, dass das Knie an der tiefsten Stelle der Pedale nur leicht gebeugt ist. Auch beim Fahren ist das Bein leicht angewinkelt“, führt der Professor aus.

Unterarme und Hand

Die Hände sind sehr sensibel, weil sie wenig Last vertragen. Taubheit in den Händen ist die Folge, wenn sie falsch oder zu stark beansprucht werden. Ein Kribbeln in den Fingern kann beim Radfahren mehrere Ursachen haben, etwa ein Karpaltunnelsyndrom. Der Orthopäde  erläutert: „Durch einen Engpass im Sehnenfach kommt es zur Einengung des Nervus Medianus, wodurch Kribbeln, Missempfindungen oder auch Bewegungseinschränkungen der Finger auftreten können.“

Das Abwinkeln der Hände beim Radeln führe zu einer weiteren Einengung des Nervs, was diese Symptome zusätzlich verstärkt. Auch zu großer Druck auf der Außenseite des Handgelenkes kann Schmerzen verursachen. Der Rat des Mediziners „Lenker und die Sitzposition so wählen, dass Unterarm und Hand eine gerade Linie bilden und die Arme leicht gebeugt sind. Bei den ersten Anzeichen von Beschwerden sollten Sie anhalten, die Hand vom Lenker nehmen und die Hände ausschütteln.“

Niedrigere Gänge

Viele Menschen leiden unter Beschwerden im Knie. „Wer bereits Probleme hat, riskiert, diese durch falsches Radfahren weiter zu verschlimmern“, verdeutlicht der Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Regensburg. Gerade schwere Gänge würden die Kniegelenke belasten. Im Umkehrschluss gelte: Je schneller und leichter sich ein Gang treten lässt, umso gelenkschonender sind Radfahrer unterwegs. Freizeitsportler, die die Tipps zur richtigen Sattelhöhe beachten, können sich laut Grifka auf einen gelenkfreundlichen Fahrrad-Trip freuen: „Dann ist Radfahren für die Kniegelenke günstig, weil das Körpergewicht auf dem Sattel ruht und das Knie leicht durchzubewegen ist“, so der Professor. Starke Steigungen sollten besonders wenig Trainierte wegen eines hohen Belastungsdrucks meiden.

Belastung langsam steigern

Überhaupt, sind sich die Bad Abbacher Mediziner einig, sollten sich Ungeübte am Anfang nicht zu viel zumuten: „Beginnen Sie mit einfachen Fahrten und steigern Sie die Belastung langsam“, sagt Oberärztin Franziska Leiß und macht deutlich: Wer trotz richtiger Körperhaltung Beschwerden bekommt, sollte die Einstellungen des Rads überprüfen. Joachim Grifka: „Verschwinden die Beschwerden jedoch noch immer nicht, sollte ein Arzt befragt werden.“