Hans Concin

Kommentar

Hans Concin

Corona-Immunität und T-Lymphozyten

Gesund / 28.08.2020 • 11:17 Uhr

Die Immunität gegenüber dem Virus SARS-CoV-2, dem Erreger der Erkrankung Covid-19, wurde seit dem Auftreten der Erkrankung in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Aktuell sind im Juli und August hochrangige wissenschaftliche Publikationen erschienen, die etwas mehr Licht in die Fragestellung bringen: Die T-Lymphozyten, sie sind Teil der Lymphozyten, die wiederum Teil der weißen Blutkörperchen sind, rücken mit erfreulichen Ergebnissen in den Fokus der Forschung. Mehrere unabhängige Forschungsgruppen kommen zu sehr ähnlichen Ergebnissen, was bei völlig neuen Studien nicht immer der Fall ist. T-Zellen können offenbar zumindest teilweise ihre durch frühere Coronaviren erworbenen Informationen auch im Kampf gegen das neue Coronavirus nutzen. Und das nicht nur nach SARS-Corona-Erkrankungen im Jahr 2003.


Partielle Kreuzimmunität


Offensichtlich besteht zwischen den verschiedenen Coronaviren eine teilweise Kreuzimmunität, das heißt, dass auch frühere Erkältungen mit „harmlosen“ Coronaviren die Bildung von T-Lymphozyten angeregt haben. Diese T-Zellen sind offensichtlich im Stande, auch SARS-CoV-2 zu erkennen und infizierte Zellen zu blockieren und abzutöten. Da das Virus für seine Vermehrung eine intakte lebende Zelle benötigt wird eine Covid-19-Erkrankung abgeschwächt oder ganz verhindert.

Das erklärt auch die sehr unterschiedliche Infektionshäufigkeit und warum das Virus für manche Menschen lebensgefährlich beziehungsweise tödlich ist und andere ohne Symptome die Infektion durchmachen. T-Lymphozyten bilden ein immunologisches Gedächtnis, das bei einer wiederkehrenden Infektion schnell reagieren kann. Beim Erstkontakt von T-Zellen mit dem Coronavirus dauert es Tage, bis es wirksam wird und über Anregung der B-Zellen massenweise Antikörper produziert werden. Sind die T-Zellen jedoch schon vorhanden, wird dieser Prozess stark beschleunigt. Dieses Faktum stimmt auch optimistisch, was die Langzeitwirkung von in Entwicklung stehenden Impfungen betrifft. Mehrere Impfstoffkandidaten haben ihre Wirksamkeit schon bewiesen, die T-Lymphozyten werden wahrscheinlich für eine jahrelange Wirksamkeit sorgen.

Anhaltende Immunität

Spezifische SARS-CoV-2-Antikörper sind nicht bei allen Covid-19-Erkrankten nachweisbar und zeigen auch bei hohen Antikörpertitern oft einen raschen Abfall und damit vermeintlich einen Verlust der Immunität. Die vorliegenden Studienergebnisse sprechen dafür, dass die Immunität dennoch erhalten bleibt. Noch ausständig sind die großen Sicherheitsüberprüfungen der Impfstoffkandidaten. Der Einsatz bei Millionen gesunden Kindern, jungen und alten Erwachsen und Personen mit einem hohen Risiko muss streng geprüft werden. Um das Nebenwirkungsprofil sicher abschätzen zu können, muss jeder Impfstoff an mindestens 30.000, besser 100.000 Freiwilligen aller Alters- und Risikoklassen getestet werden. Ein medizinisches Eingreifen bei Millionen Gesunden darf maximal vorübergehende milde allgemeine und lokale Nebenwirkungen haben. Derzeit gibt es in Österreich keine Möglichkeit, sich an so einer Phase-III-Studie zu beteiligen.

„T-Lymphozyten sind das immunologische Gedächtnis und können sehr rasch spezifisch reagieren.“

Hans Concin

hans.concin@vn.at

Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Vizepräsident aks Verein