Schön
Es war später Nachmittag, und es goss aus Kübeln. Wie grau gewordene Schleier jagten die Regenfetzen, vom Wind noch angetrieben, übers Land. Die Scheibenwischer der Autos hatten alle Mühe, die sintflutartig herabstürzenden Wassermassen zu bändigen. Der Volksmund hätte von einem Wetter geredet, bei dem man nicht einmal einen Hund vor die Türe jagen würde. Stimmt schon, Hunde sind tatsächlich nicht immer erpicht auf Spaziergänge im strömenden Regen. Mein Hund streckt ab und an auch nur die Nase zur Türe hinaus, um dann schleunigst wieder kehrt zu machen, weil ihm die Witterung grad nicht behagt, aber irgendwann heißt es dann halt doch raus aus der guten Stube. Und siehe da: Wir waren in beschriebener Unbill nicht allein unterwegs.
Plötzlich tauchte ein Mädchen, etwa 10 bis 12 Jahre alt, mit einem Scooter vor uns auf. Ihre blonden Haare flogen im Wind, während sie sich fröhlich strampelnd durch den Regen kämpfte. An den Füßen nur Sandalen, T-Shirt und leichte Sommerhose schon klatschnass. Dem Mädchen schien das wenig bis gar nichts auszumachen. Im Gegenteil. Das Lachen auf seinem schmalen Gesicht sprach Bände. Solche Erlebnisse katapultieren einen ungefragt und unaufhaltsam kurz einmal in die eigene Kindheit zurück. Was hatten wir für einen Spaß, wenn nach der Hitze des Tages der Regen kam. Wir badeten geradezu darin, tanzten, bis wir von Kopf bis Fuß trieften. Schön, dass es so etwas heute auch noch gibt.
Marlies Mohr
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