Die Cholesterinspiegel im Sinkflug
Weltweite Studie dazu beinhaltet auch Daten des aks.
Innsbruck, Bregenz Bei der Entstehung von Atherosklerose, einer der häufigsten Ursachen für Herzinfarkt und Schlaganfall, spielt das Blutfett Cholesterin eine zentrale Rolle. Die Senkung des Cholesterinspiegels gilt seit den 1980er Jahren als vordringliches präventives Ziel. Eine weltweite Studie unter Federführung des Imperial College London, in die auch Zahlen des Arbeitskreises für Vorsorge- und Sozialmedizin (aks) einflossen, hat die Entwicklung der Cholesterinspiegel von 1980 bis 2018 anhand der Daten von über 100 Millionen Menschen in 200 Ländern berechnet. Das Wissenschaftsmagazin Nature berichtet. Die Trends für Österreich basieren auf Studiendaten der Innsbrucker Uniklinik für Neurologie und der Uniklinik für Pädiatrie II sowie von Biostatistiker Hanno Ulmer von der Medizin Uni Innsbruck in Kooperation mit dem Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin in Bregenz.
Noch nicht am Ziel
In Österreich ist das mittlere Gesamtcholesterin bei Männern wie bei Frauen um etwa 10 mg/dl pro Jahrzehnt zurückgegangen. Im Detail sanken die Cholesterinspiegel von 1980 bis 2018 bei Männern von 232 mg/dl auf 193 mg/dl, bei Frauen von 228 mg/dl auf 189 mg/dl. Für Stefan Kiechl von der Uniklinik für Neurologie und ausgewiesener Atherosklerose-Experte, ist dieser Trend durchaus erfreulich. „Die Senkung des Cholesterinspiegels ist maßgeblich für Prävention und Therapie von kardiovaskulären Erkrankungen. Trotzdem liegen wir von den Werten, die die Guidelines für vorgeben, noch immer weit entfernt“, gibt er zu bedenken. Laut eigener Studie hätten 70 Prozent aller Schlaganfallpatienten in Österreich zu hohe Cholesterinwerte, doch nur weniger als ein Drittel werde mit Cholesterinsenkern behandelt. Statine, also Medikamente, die LDL-Cholesterin effektiv senken und damit das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse mindern, sind seit Mitte der 1990er Jahre klinisch im Einsatz. Seit 2015 stehen auch sogenannte PCSK9-Inhibitoren zur Verfügung. Weitere Medikamente stehen unmittelbar vor der Zulassung. „Die Berechnungen zeigen, dass die Senkung der Cholesterinspiegel schon zu Beginn der 1980er Jahre eingesetzt hat. Wir können daraus schließen, dass neben den Statinen auch Lebensstilfaktoren wie gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung zu dieser Entwicklung beigetragen haben“, erklärt Hanno Ulmer, Leiter des Instituts für Medizinische Statistik und Informatik an der Medizin Uni Innsbruck.