Volkskrankheit mit vielen Gesichtern

Gesund / 08.05.2020 • 10:23 Uhr
Wer an Diabetes Typ 1 leidet, ist auf die Gabe von Insulin angewiesen. Dieser Diabetes hat nichts mit dem Lebensstil zu tun.adobe
Wer an Diabetes Typ 1 leidet, ist auf die Gabe von Insulin angewiesen. Dieser Diabetes hat nichts mit dem Lebensstil zu tun.adobe

Diabetes hat unterschiedlichste Ursachen, gehört aber frühzeitig behandelt.

Innsbruck Viele unterschiedliche Schicksale und Lebenswege verstecken sich unter dem Überbegriff von Diabetes, einer chronischen Erkrankung. Prof. Susanne Kaser von der Universitätsklinik Innsbruck und Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) erklärt: „Diabetes hat viele Gesichter und unterschiedlichste, meist auch multifaktorielle Ursachen. Darum ist es so problematisch, wenn Menschen mit Diabetes über einen Kamm geschoren werden und ihnen vorgeworfen wird, dass sie ‚selbst schuld‘ an der Erkrankung wären und sie ja ‚nur den Lebensstil‘ ändern müssten. Zusätzlich führt diese Vereinfachung und die Unkenntnis über die Vielfalt der Diabetesformen zu verspäteten Diagnosen.“

Diabetes mellitus Typ 1

Die Autoimmunerkrankung Diabetes mellitus Typ 1 manifestiert sich meist im Kindes- oder Jugendalter. Fünf bis zehn Prozent aller Diabeteserkrankten haben diese Form. „In Österreich wird die Diagnose Diabetes bei Kindern und Jugendlichen für gewöhnlich zu spät gestellt. Rund 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen werden mit einer lebensgefährlichen Stoffwechselentgleisung, der sogenannten Diabetischen Ketoazidose, ins Krankenhaus gebracht. Dies ist unter anderem auf das mangelnde Bewusstsein für die Krankheit und deren Warnsignale zurückzuführen“, berichtet Sabine Hofer, Kinderärztin an der Medizinischen Universität Innsbruck und Vorstandsmitglied der ÖDG.

Typische Symptome sind gesteigertes Durstgefühl, vermehrte Urinmenge, Gewichtsverlust, Sehstörungen, Müdigkeit und nächtliches Einnässen. Hofer betont auch den sozialen Druck, der durch das Unwissen um Diabetes entsteht: „Diabetes mellitus Typ 1 hat nichts mit einer Lebensstilerkrankung zu tun. Die Betroffenen müssen ein Leben lang mit einer Insulintherapie umgehen lernen und ein komplexes Selbstmanagement in ihr Leben integrieren.“

Diabetes mellitus Typ 2

Mehr als 90 Prozent aller Menschen mit Diabetes leiden an Diabetes mellitus Typ 2. Diese Erkrankung ist häufig mit Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhten Blutfetten assoziiert, kann aber auch bei normalgewichtigen Patienten auftreten. Ein deutlich erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 haben Personen, deren Eltern ebenfalls daran erkrankt sind. Kaser erklärt: „Früher wurde diese Erkrankung Altersdiabetes genannt. Heute trifft sie Menschen mitten im Leben. Das durchschnittliche Manifestationsalter liegt um das 50. Lebensjahr.“

Schwangerschaftsdiabetes

Gestationsdiabetes betrifft etwa 10 Prozent aller Schwangeren und wird im Rahmen des Zuckerbelastungstests diagnostiziert, der zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche verpflichtend durchgeführt wird. Wenn der Schwangerschaftsdiabetes nicht ausreichend behandelt wird, entstehen Gefahren für Mutter und Kind. Für Mütter besteht ein erhöhtes Risiko der Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2. Kinder kommen mit erhöhtem Geburtsgewicht und zusätzlichen Gesundheitsrisiken für ihr Leben zur Welt.