Müssen wir uns 2020 ändern?

Gesund / 27.12.2019 • 09:46 Uhr

Muss jeder von uns, um die Umwelt und damit die Gesundheit unserer Kinder und Enkel zu retten, sein Konsum-, Mobilitäts- und Energieverbrauchs-Verhalten ändern? Grundsätzlich ist die Frage mit einem klaren Ja zu beantworten. Die wahren Experten sind sich einig: Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird unsere Erde für ihre Bewohner sehr ungesund werden. Jeder Bürger wird freiwillig oder verordnet seinen Beitrag für eine gesunde Zukunft leisten müssen. Daran ändert auch die Uneinigkeit einiger Vertreter großer Nationen nichts.

Aber: Angenehme Gewohnheiten langfristig umzustellen fällt den meisten von uns schwer. Weniger Privatauto, weniger Fleisch, weniger Plastik, weniger Einwegartikel, weniger Reisen, weniger Flüge, weniger fossile Kraftstoffe, weniger Feuerwerkskörper (aktuell zu Silvester), weniger Energieverschwendung, weniger Heizen, weniger Feinstaub und Stickoxide, weniger hoch verarbeitete Lebensmittel – mehr Natur und weniger Zivilisation? Wollen wir auf bessere soziale und materielle Lebensbedingungen verzichten, die wir unserem Fortschritt verdanken?

Heute sind Kinder schon im Mutterleib durch die künstlich belastete Umwelt gefährdet. Bis zu 280 chemische Verbindungen findet man in wissenschaftlichen Untersuchungen im Nabelschnurblut, und es kommen täglich neue hinzu. Sogenannte endokrine Disruptoren greifen störend in den Hormonhaushalt des Ungeborenen ein. Feinstaub findet sich in der Nachgeburt, Funktionsstörungen der Schilddrüse finden sich bei Neugeborenen. Die Spitalsaufnahmen weltweit zeigen einen eindeutigen Zusammenhang mit einer akuten Feinstaubbelastung.

Brauchen wir Verbote?

Als Ärzte haben wir gelernt, dem Patienten nicht mehr mit erhobenem Zeigefinger zu begegnen und Vorschriften zu machen, sondern ihn zu beraten und ihm Angebote zu unterbreiten. Der wesentliche Unterschied zur Klimaproblematik besteht darin, dass es hier nicht um den Einzelnen, sondern um die Gesundheitsgefährdung von uns allen geht. Brauchen wir also Verbote? Ich denke ja, weil Freiwilligkeit in allen Bereichen, nicht nur beim Klima, die Guten nicht belohnt und die Bösen schützt. Auch ich würde mir leichter tun, wenn ich muss und nicht nur soll.

Intelligente Lösungen

In erster Linie brauchen wir intelligente Lösungen, die unser Klima und damit unsere Gesundheit nicht gefährden ohne Einbußen bei Lebensqualität und Lebensstandard. Viele internationale, regionale und lokale Aktivitäten bemühen sich, gesundheitsgefährdende globale Entwicklungen zu bremsen oder besser noch aufzuhalten. Entwicklungen in den Klimatechnologien können schädliche Belastungen reduzieren und neue Arbeitsplätze schaffen. Wir müssen wieder verstärkt in Generationen denken und handeln. Dazu kann jeder Einzelne von uns und jede Institution einen Beitrag leisten. Der Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin hat sich mit seinem Geschäftsführer Georg Posch und 350 Mitarbeitern verpflichtet, mit der Aktion „aks for future“ bis 2025 klimaneutral zu werden.

„Der Klimawandel ist eine große Gefahr für die Gesundheit unserer Kinder und Enkel.“

Hans Concin

hans.concin@vn.at

Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Vizepräsident aks Verein