Ausgezeichnete medizinische Forschung

Gesund / 06.12.2019 • 11:25 Uhr
Andreas Leiherer betrachtet seine berufliche Welt häufig durch das Mikroskop. 
Andreas Leiherer betrachtet seine berufliche Welt häufig durch das Mikroskop. 

Gesellschaft der Ärzte in Vorarlberg vergab Durig-Böhler-Preise.

Feldkirch Um der medizinischen Forschung aus und in Vorarlberg die entsprechende Anerkennung zukommen zu lassen, verleiht die Gesellschaft der Ärzte in Vorarlberg jedes Jahr den Durig-Böhler-Gedächtnispreis. Voraussetzung ist die Publikation der Forschungsarbeit in einer international anerkannten Fachzeitschrift. Der Preis 2019 ging an Andreas Leiherer (VIVIT-Institut) für eine Studie zum Protein Uromodulin und seine Bedeutung in Zusammenhang mit chronischer Nierenerkrankung. Peter Schwendinger von der Abteilung für Unfallchirurgie und Orthopädie am LKH Feldkirch erhielt den Anerkennungspreis für eine Studie über eine neue Methode zur Versorgung von Sehnenausrissen an den Fingern. Insgesamt gab es fünf Einreichungen.

Unabhängiger Biomarker

Die Forschungsarbeit von Andreas Leiherer und seinem Team beschäftigte sich mit dem Protein Uromodulin und seiner Bedeutung in der Früherkennung von chronischer Nierenerkrankung. Uromodulin ist das am häufigsten vorkommende Protein im menschlichen Urin und wird ausschließlich von der Niere produziert. In der vorliegenden Studie mit über 500 Patienten zeigte sich, dass ein niedriger Uromodulin-Spiegel im Blut mit einer Nierenfunktionsstörung einhergeht und ein unabhängiger Biomarker für das künftige Auftreten einer chronischen Nierenkrankheit ist. „Weitere kürzlich erschienene Publikationen aus unserer Arbeitsgruppe konnten darlegen, dass Uromodulin auch ein Biomarker für Typ 2 Diabetes ist und sehr präzise das Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen, wie etwa Herzinfarkt oder Schlaganfall und Langzeit-Überleben unserer Patienten vorhersagt“, informiert der Preisträger.

Spezieller Nagelhalter

Unfallchirurg Peter Schwendinger hat mit seinem Forschungsteam eine neue Methode für die operative Versorgung knöcherner Strecksehnenausrisse an den Fingern entwickelt. Bei vielen Techniken wird die ausgerissene Strecksehne offen operiert und mit Platten oder Schrauben fixiert. Andere Vorgehensweisen beinhalten die temporäre Ruhigstellung des Fingerendgliedes mittels Bohrdraht durch das Gelenk. Bei beiden Herangehensweisen führen diese OP-bedingten Verletzungen zu Risiken wie erhöhter Infektrate, Nagelwachstumsstörungen oder Gelenkszerstörung. „Bei der neu entwickelten Methode ermöglicht ein speziell konstruierter Nagelhalter die Ruhigstellung des Fingerendgliedes während der Heilungsphase ohne Gewebeverletzung. Dies verhindert die Gelenkszerstörung am betroffenen Finger. Die nächsten Schritte sind die Produktion von zugelassenen Komponenten zur Durchführung einer klinischen Studie“, erläutert Schwendinger.

Michael Osti (l.) übergab die Auszeichnungen an die Preisträger. Hier darf sich Peter Schwendinger über seinen Preis freuen. khbg/dietmar mathis
Michael Osti (l.) übergab die Auszeichnungen an die Preisträger. Hier darf sich Peter Schwendinger über seinen Preis freuen. khbg/dietmar mathis