Lebensqualität in den Wechseljahren (1)
Für jede fünfte Frau sind die Wechseljahre mit einer deutlichen Verschlechterung der Lebensqualität verbunden. Hauptursache ist der massiver Abfall des wichtigsten Frauenhormons Östrogen, das seit der Pubertät über Jahrzehnte auf jede Zelle im Körper positiv einwirkt, und dessen Entzug nicht jede Frau beschwerdefrei verkraftet. Auch das zweite Frauenhormon Progesteron hat einen großen Einfluss auf das Wohlbefinden. Der Progesteronabfall kann ebenfalls, oft schon deutlich früher als die klassischen Wechselsymptome, vor allem im psychischen und Schlafbereich Beschwerden verursachen. Die Frauen- und Männerhormone, haben weit über die Geschlechtsfunktionen hinaus breite Bedeutung für die Gesundheit und das Wohlbefinden. Bei den Männern (und im Tierreich) kommt es nicht wie bei der Frau Jahrzehnte vor Erreichung der durchschnittlichen Lebenserwartung zum Verlust dieser wichtigen Hormone. Es verwundert nicht, dass 20 Prozent der Frauen diesen Verlust nicht beschwerdefrei kompensieren können. Dabei spielen auch genetische und viele Lebensstilfaktoren eine große Rolle.
Im Wechsel können zahlreiche und oft völlig atypische Beschwerden auftreten. In den meisten Fällen werden die klassischen Symptome wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche sofort mit dem Wechsel in Verbindung gebracht. Zahlreiche andere Phänomene wie Herzklopfen bis hin zum Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Kopfschmerzen, Libidostörungen, Fingergelenksbeschwerden, Gewichtszunahme, Durchschlafstörungen und zahlreiche Veränderungen im psychischen Bereich werden oft primär nicht als Wechselbeschwerden erkannt.
Viele Frauen berichten oft schon vor der letzten Regel über allgemeine Symptome wie reduzierte Leistungsfähigkeit, geringere Belastbarkeit, Stimmungsschwankungen und Durchschlafstörungen. Aber auch typische Frauenleiden wie schmerzhafte und verstärkte Regel, schwere Beine, Brustspannen, die „Tage vor den Tagen“ und Myomwachstum sind relativ häufige Folgen des Progesteronmangels.
Mit der letzten Regel und im ersten Jahr danach können durch den Östrogenabfall die typischen Wechselbeschwerden beginnen. Dieser Wechsel tritt bei uns in den meisten Fällen im Alter von 49 bis 52 auf, kann aber auch wesentlich früher (meine jüngste Patientin war 15 Jahre) und später bis zu 58 Jahre eintreten.
Alle diese Phänomene die sich ungünstig auf die Lebensqualität und auch Partnerschaft auswirken können, haben eine dominierende Ursache: Der Abfall von Östrogen teilweise in Kombination mit dem Progesteronabfall. Damit ist auch klar, dass die beste Therapie die Behebung des Hormonmangels ist. Der Ersatz der fehlenden natürlichen Hormone wird direkt über die Haut in das Blut zugeführt. Alle anderen Therapien sind weniger wirksam. Heute ist es gesichertes Wissen, dass die Behandlung mit dem „Original“, exakt der Natur nachempfunden, zumindest in den ersten zehn Jahren die Lebensqualität bei Bedarf deutlich verbessern kann, ohne ein Risiko einzugehen. Bedenken, die vor 17 Jahren durch eine fehlerhafte Studie ausgelöst wurden, sind endgültig widerlegt.
„Mit der letzten Regel und im ersten Jahr danach können durch den Östrogenabfall die typischen Wechselbeschwerden beginnen.“
Hans Concin
hans.concin@vn.at
Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Vizepräsident aks Verein
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