Smartphone & Co: Kurzsichtigkeit im Land auf dem Vormarsch

Gesund / 25.04.2019 • 15:00 Uhr
Smartphone & Co: Kurzsichtigkeit im Land auf dem Vormarsch
Gerade der zu geringe Abstand zu Tablet, Handy, Buch und Co kann auf lange Sicht zu einer Kurzsichtigkeit führen. VN/HP

Gerade die Jugend ist von der Fehlsichtigkeit betroffen: Die Ausbildungszeit steht hier im Kontext.

Feldkirch Die Kurzsichtigkeit (Myopie) nimmt seit den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zu. So ergaben Hochrechnungen des Brien Holden Institutes aus Sydney für Westeuropa im Jahr 2010 eine Häufigkeit von 28,5 Prozent; bis 2050 wird ein Anstieg auf 56,2 Prozent prognostiziert.

„Kurzsichtigkeit hängt dabei in allen Ländern mit dem Ausbildungsstand zusammen – je länger die Studiendauer, desto höher ist die Kurzsichtigkeitsrate. In Europa liegt die Häufigkeit aktuell bei etwa 35 Prozent, nach dem Abitur bei ca. 50 Prozent“, nennt Primar Stefan Mennel, Leiter der Augenheilkundeabteilung am LKH Feldkirch, Fakten. Als Ursachen bringt er neben der Vererbung vor allem drei Dinge ins Spiel: mangelnde Aktivität im Freien, kontinuierliche Naharbeit oder Lesen (Buch, Tablet, Handy, PC) sowie Lichtmangel.

“Kontinuierliche Naharbeit oder Lesen sowie mangelnde Aktivität im Freien und Lichtmangel sind neben der Vererbung Hauptgründe für die Entstehung einer Kurzsichtigkeit.”

Primar Stefan Mennel, Leiter der Augenheilkundeabteilung

Kein Umkehren mehr möglich

Welche Möglichkeiten gibt es nun, die Entstehung und das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit zu hemmen? Primar Mennel betont grundsätzlich: „Eine bereits bestehende Kurzsichtigkeit kann sich nicht mehr umkehren, jedoch gibt es einige Möglichkeiten, um das Fortschreiten zu bremsen. Dies betrifft gerade die Altersgruppen, in denen die Kurzsichtigkeit typischerweise am schnellsten fortschreitet, nämlich zwischen 8 und 15 Jahren.“

Effiziente Möglichkeiten eine Myopie zu verhindern sind: Bei Naharbeit und Lesen ausreichend Licht verwenden und einen Abstand von 30 Zentimetern einhalten sowie nach einer halben Stunde für zwei Minuten mit Blick in die Ferne entspannen. „Mehr Licht innerhalb des Gebäudes und jede Stunde im Freien bei Tageslicht reduzieren das Risiko deutlich“, betont Mennel.

Augentropfen und Co

Bei vorherrschender Kurzsichtigkeit und deutlicher Progression können in Rücksprache mit dem Augenfacharzt weitere Möglichkeiten in Erwägung gezogen werden. „So ist die tägliche Gabe von Atropin-Augentropfen in geringer Dosierung (0,01 Prozent) möglich. Da es sich um eine sehr neue Therapieoption handelt und die Tropfen in der Dosierung noch nicht im Handel verfügbar sind, kann der Arzt nach Indikationsstellung die Tropfen für geeignete Fälle verschreiben“, beschreibt Mennel. Bei weiterer Progredienz könne zudem auch auf Gleitsichtbrillengläser oder Kontaktlinsen zurückgegriffen werden. Eine Abklärung und Entscheidung solle aber in jedem Fall in Rücksprache mit dem Augenfacharzt erfolgen.