Frohe Ostern!
Ich bin kein Mensch, der allzu oft rückwärts schaut. Das Hier und Jetzt und Morgen sind mir näher. Zuweilen katapultiert es mich aber doch in die Vergangenheit, getriggert durch kleine, meist unscheinbare Dinge, die plötzlich ein Fenster zu Erlebnissen öffnen, die sich vor einer gefühlten Ewigkeit ereignet haben. Unlängst war ich mit meinem Hund auf einem Waldweg unterwegs, als er seine Nase ins Moos steckte. Beim Anblick dieser weichen, sattgrünen Polster und wohl auch, weil Ostern bevorstand, fühlte ich mich schlagartig in die Kindheit zurückversetzt.
Es war in der Karwoche, als wir auf der Suche nach Moos durchs Gebüsch streiften. Als wir fündig wurden, lösten wir die schönsten Stücke vorsichtig vom Untergrund und trugen sie stolz nach Hause. Unser Osternest sollte aus echtem Material sein und nicht aus diesem grünen Stroh, das so künstlich daherkam wie aufgespritzte Lippen.
Mit viel Sorgfalt arrangierten wir das Moos in den Körbchen und sahen erwartungsvoll dem Besuch des Osterhasen entgegen. Der kam auch, aber noch schneller kamen die Ameisen, die sich im Moos versteckt hatten. Das war’s dann mit dem Nest aus Naturmaterialien. Unsere Mutter fackelte nicht lange, packte das lebendig gewordene Etwas und beförderte es dorthin, wo es hingehörte, nämlich nach draußen. Also doch Stroh, grün und künstlich. Trotzdem wurde es auch Ostern. Darauf kam und kommt es letztlich an, oder? Ich wünsche Ihnen ein frohes Fest.
Marlies Mohr
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