Neurodermitis und Schuppenflechte

Von Neurodermitis geplagte Haut braucht besondere Aufmerksamkeit bei der Pflege. Auch neue Medikamente sollen dabei helfen, die Auswirkungen zu lindern.
Heute ist Tag der Hautgesundheit. Experten informieren.
Innsbruck Ein Drittel der Weltbevölkerung hat eine entzündliche Hauterkrankung. Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Schuppenflechte bedeuten eine enorme Einschränkung der Lebensqualität für die Betroffenen. Experten aus Innsbruck und Linz nutzen daher den ersten österreichweiten Tag der Hautgesundheit, der heute, Samstag, 2. Juni 2018, im Kalender steht, um auf diese Erkrankungen und neue Behandlungsoptionen aufmerksam zu machen. Der Tag der Hautgesundheit wurde auf Initiative der „Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie“ (ÖGDV) gemeinsam mit der „Internationalen Liga der Dermatologischen Gesellschaften“ (ILDS) und der „Internationalen Dermatologen-Gesellschaft“ (ISD) initiiert.
Als Stigma empfunden
Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte werden durch ihre Sichtbarkeit vielfach als Stigma empfunden. „Solche Patienten leiden häufiger an psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angst. Das sind die häufigsten Begleiterkrankungen bei entzündlichen Hautkrankheiten“, erklärt Matthias Schmuth, Direktor der Innsbrucker Uniklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie und derzeit amtierender ÖGDV-Präsident. Es gilt, rechtzeitig und richtig zu handeln. Je früher beispielsweise eine Schuppenflechte (Psoriasis) erkannt und therapiert wird, desto erfolgreicher ist die Behandlung. „Die klassischen Möglichkeiten wurden in den vergangenen Jahren durch die systemische Immuntherapie ergänzt. Diese Therapien haben ein großes Potenzial für die Behandlung der mittelschweren bis schweren Schuppenflechte“, erklärt Gudrun Ratzinger, stellvertretende Klinikdirektorin an der Innsbrucker Dermatologie und Generalsekretärin der ÖGDV. Neueste Studien haben gezeigt, dass die Schuppenflechte nicht nur die Haut betrifft. Neben den schon länger bekannten Gelenksentzündungen treten bei den Betroffenen gehäuft Herz-Kreislauf-Erkrankungen und das Metabolische Syndrom auf. „Daher gehen wir davon aus, dass Therapien, die effektiv die chronische Entzündung bekämpfen, sich auch günstig auf diese Risiken auswirken und eine rechtzeitige Behandlung einer Schuppenflechte auch die Gesamtgesundheit verbessert“, sagt Ratzinger.
Tendenz steigend
Auch Neurodermitis ist im Vormarsch. Bereits jetzt haben mehr als zehn Prozent der Kinder diese Erkrankung, und die Zahl der Betroffenen steigt. „Bei manchen Kindern ist der Juckreiz besonders stark ausgeprägt, sodass sie sich nachts teilweise blutig kratzen“, weiß Wolfram Hötzenecker, Vorstand der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Kepler Universitätsklinikums Linz. „Bei sehr schwer verlaufenden Erkrankungen ist eine Behandlung von ‚innen‘ notwendig“, erklärt Hötzenecker. „Der Antikörper Dupilumab bietet eine Option in der Behandlung der schweren Neurodermitis. Dieses neue biologische Medikament greift gezielt in die Krankheitsentstehung ein“, beschreibt Hötzenecker die Wirkung. Weitere Medikamente befinden sich in Erprobung. Damit sollten sich die Behandlungsmöglichkeiten in den nächsten Jahren weiter verbessern. Über die medikamentöse Behandlung hinaus stellt Neurodermitis die Kinder, aber auch Eltern und Angehörige vor große Herausforderungen. Die Experten raten daher den Bezugspersonen, eine „Neurodermitis-Schulung“ zu absolvieren.
Informationen unter: www.neurodermitis-schulung.at