Hans Concin

Kommentar

Hans Concin

Luftverschmutzung und Gesundheit

Gesund / 29.03.2018 • 19:14 Uhr

Laut dem „Environmental Performance Index 2018“ (EPI) ist schlechte Luftqualität die größte Umweltbedrohung für die Gesundheit der Bevölkerung. Krankheiten, die luftgetragenen Schadstoffen geschuldet sind, wie Feinstaub und Stickoxyde, verantworten im Jahr 2016 65 Prozent aller umweltbedingten Todesfälle und Behinderungen. Seit 20 Jahren wird der EPI-Bericht alle zwei Jahre von Forschern der Universitäten Yale und Columbia mit dem World Economic Forum erstellt. 180 Länder werden auf der Grundlage von 24 Leistungsindikatoren und 10 Problemkategorien bewertet. Neben einem regionalen und internationalen Ranking werden auch Ziele und umweltpolitische Empfehlungen definiert.

Weltweit am besten schneidet die Schweiz ab, gefolgt von Frankreich und Dänemark. Österreich liegt an achter Stelle der 180 geprüften Länder. Europa stellt die führenden 16 Positionen, das erste nichteuropäische Land ist international an der 17. Stelle Neuseeland. Schlusslicht ist Burundi, wenig besser Indien, die Republik Kongo und Bangladesch.

Die meisten Länder haben die Emission von Treibhausgasen in den vergangenen zehn Jahren verbessert. Drei Fünftel der Länder im Environmental Performance Index 2018 haben einen reduzierten CO2-Ausstoß, 85 bis 90 Prozent der Länder haben abnehmende Intensitäten für Methan, Lachgas und Ruß. Diese Trends sind vielversprechend, müssen jedoch beschleunigt werden, um die ehrgeizigen Ziele des Pariser Klimaabkommens von 2015 zu erreichen.

Für Vorarlberg hat der Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin (aks) im Rahmen der „European Study of Cohorts for Air Pollution Effects“ (ESCAPE) eigene Feinstaub- und Stickoxyd-Daten zur Verfügung. Diese Studie wurde an zahlreichen europäischen Zentren, die Gesundheitsdaten mit der Luftverschmutzung vergleichen können, von Nordschweden (Umea) bis Athen und Zypern durchgeführt. Die regelmäßigen Messungen des Umweltinstitutes Vorarlberg und zusätzliche Erhebungen im Rahmen der EU-Studie durch ein Schweizer Institut wurden in Beziehung zu unseren Gesundheitsdaten gesetzt. Vorarlberg hat in diesem europäischen Konsortium die größte Bevölkerungszahl eingebracht und damit die Möglichkeit, statistisch valide Ergebnisse zu erzielen, deutlich erhöht.

Bei den Feinstaubkonzentrationen (vor allem bei der besonders gefährlichen Partikelgröße PM 2,5) zeigen sich in den südeuropäischen Zentren die höchsten und im Norden die niedrigsten Werte. Vorarlberg liegt im guten Mittelfeld.

Das Gesamtergebnis von ESCAPE zeigt, dass die europäischen Grenzwerte für Feinstaub zu hoch angesetzt sind. Schon unterhalb der durchschnittlichen Jahresgrenze von 25 µ/m3 ist die Sterblichkeit erhöht. Für die Herzkreislaufsterblichkeit und für mehrere Karzinome, besonders für Lungenkrebs, wurde ein Zusammenhang mit der Feinstaubbelastung nachgewiesen. In diesem Kontext ist es besonders befremdlich, dass Österreich als einziges Land der Welt die Anti-Rauch-Entwicklung wieder umdreht. Koalitionsverträge sind einzuhalten, aber so ein Vertrag hätte niemals eingegangen werden dürfen.

„Weltweit wird an der Reduktion der Luftverschmutzung als relevantem Gesundheitsrisiko gearbeitet.“

Hans Concin

hans.concin@vn.at

Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Präsident aks Verein