Eine Art von später Reue

Günter Rummer und Herbert Riedmann sind für „Don’t smoke“.
Bregenz Über 550.000 Personen haben das Volkbegehren zur Einführung eines generellen Rauchverbots bereits unterschrieben. In Vorarlberg waren es mehr als 20.000, die sich gegen das mittlerweile erfolgte Kippen der bereits beschlossenen Regelung aufbäumten. Unter ihnen sind auch Günter Rummer und Herbert Riedmann. Sie bezeichnen ihre Unterstützung als eine Art von später Reue, denn beide leiden nach langjährigem Nikotinkonsum an der Lungenkrankheit COPD. Bei Rummer kommt noch ein bullöses Lungenemphysem dazu, bei dem die Lungenbläschen verkleben.
Heute wissen die Männer, was sie ihrer Gesundheit angetan haben. „Früher wusste ich nicht einmal, was COPD ist“, sagt Günter Rummer, der auch als Präsident der Österreichischen Lungenunion fungiert. Obwohl selbst betroffen, wollen sie nicht alles, was sie an körperlichen Unzulänglichkeiten plagt, dem Nikotin in die Schuhe schieben. „Gewisse Umweltfaktoren verursachen ebenfalls Lungenerkrankungen“, betont Rummer. Er muss jedoch einräumen, dass 90 Prozent der COPD-Fälle ursächlich dem Rauchen zuzuschreiben sind.
Kein Verlangen mehr
Günter Rummer hat 32 Jahre, Herbert Riedmann 50 Jahre geraucht. Täglich lösten sich 30 bis 40 Zigaretten in Rauch auf. Als bei Riedmann nach einer doppelseitigen Lungenentzündung zusätzlich COPD diagnostiziert wurde, hörte er sofort mit dem Rauchen auf. „Es war eine reine Kopfsache“, erzählt er. Rummer versuchte es mit einem eingeschränkten Nikotinkonsum. Ein paar Wochen lang versuchte er, mit fünf Zigaretten täglich auszukommen. „Eine blöde Idee“, meint er im Rückblick. Nun galt nämlich beinahe jeder Blick der Uhr, um ja nicht die nächste Zigarette zu versäumen. Schließlich reichte ihm diese Gängelei. Am 8. Jänner 2005, er erinnert sich noch genau, beendete Günter Rummer seine Raucherkarriere. Manchmal träume er noch vom Rauchen, das Verlangen nach einer Zigarette sei aber nicht mehr da. Weder er noch Herbert Riedmann wollen sich das Leben, das sie noch haben, vom Nikotin kaputtmachen lassen.
In Vorarlberg sind zwischen 20.000 und 25.000 Personen von COPD betroffen. Günter Rummer vermisst klare politische Stellungnahmen zum Nichtraucherschutz. Er ist überzeugt, dass viele Wirte lieber Nichtraucher in ihren Lokalen hätten. Er kritisiert auch die Gewerkschaft, die sich zu wenig für den Nichtraucherschutz der Beschäftigten in Gastlokalen einsetze. Das Volksbegehren „Don’t smoke“ kann noch bis 4. April 2018 unterschrieben werden. VN-MM
„Früher wusste ich nicht einmal, was COPD ist.“
Selbsthilfegruppe
Veranstalter Österreichische Lungenunion Vorarlberg (ÖLUV)
Kontakt Günter Rummer (0676/
61 50 780), Herbert Riedmann (0676/61 75 315), Mail: oelu-vorarlberg@vol.at