Jeder hat es auch selbst in der Hand

Gesund / 23.03.2018 • 09:16 Uhr
Primar Günter Höfle riet den vielen MedKonkret-Besuchern im Feldkircher Montforthaus zu verstärkter Aufmerksamkeit, denn Osteoporose schränkt die Lebensqualität deutlich ein. vn/lerch
Primar Günter Höfle riet den vielen MedKonkret-Besuchern im Feldkircher Montforthaus zu verstärkter Aufmerksamkeit, denn Osteoporose schränkt die Lebensqualität deutlich ein. vn/lerch

Der Lebensstil trägt wesentlich zur Reduzierung von Osteoporose bei.

Feldkirch So viel wurde zu diesem Thema schon gesagt und geschrieben, und doch scheint der Informationsbedarf immer noch groß. Das zeigte auch der MedKonkret-Vortrag, in dem Primar Günter Höfle vom Landeskrankenhaus Hohen­ems über Risikofaktoren, Vorbeugung und Therapie bei Osteoporose sprach. Gut 500 Besucher kamen ins Montforthaus, um den Worten des Experten zu lauschen. Sein Appell: „Jeder kann selbst viel für die Knochengesundheit tun.“ Kommt es doch zu einer Osteoporose, stehen wirksame und inzwischen leichter anwendbare Medikamente zur Verfügung. Allerdings beginnt Knochengesundheit schon im Kindesalter. „Bis zum 30. Lebensjahr baut sich Knochenmasse auf, bis 50 bleibt sie konstant, danach beginnt der Abbau, auch bei Gesunden“, erklärte Günter Höfle.

Risikofaktor Alter

Deshalb ist das Alter der größte Risikofaktor. Weil das nicht beinflussbar ist, plädierte der Internist für eine ärztliche Bewertung möglicher Risikofaktoren bei gesunden Personen ab dem mittleren Lebensalter. Er gab die Empfehlung aus, das Thema bei einer Vorsorgeuntersuchung anzusprechen. Auf jeden Fall sollte jeder Bruch, der beispielsweise aus dem Stehen oder Gehen heraus passiert, hellhörig machen. Liegt eine Osteoporose vor, können Knochen schon bei geringer Belastung, ja sogar bei Husten brechen. Zudem schränkt die Krankheit die Lebensqualität ein und führt bei alten Menschen schnell in die Pflegebedürftigkeit bzw. erhöht die Sterblichkeit. Besonders bruchanfällig sind Wirbelkörper, Oberschenkel, Unterarme und Schultern. Ursachen für eine Osteoporose sind unter anderem Bewegungsmangel, Untergewicht, frühe Wechseljahre, verschiedene Erkrankungen wie Rheuma und Diabetes, Erkrankungen der Schilddrüse sowie der Nebenniere und Testosteronmangel beim Mann. Medikamente wie Kortison und Magenschutzpräparate können Osteoporose ebenfalls begünstigen.

Körpergröße kontrollieren

Auch eine erbliche Belastung, Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum gehören zu den Risikofaktoren. Symptome als Vorwarnung fallen aus. „Knochenverlust ist schmerzlos“, merkte Günter Höfle an. Es gibt jedoch Anzeichen, etwa unklare Rückenschmerzen, die entstehen, wenn Wirbelkörper in sich zusammenfallen, oder die Körpergröße mit mehr als 2,5 Zentimeter pro Jahr abnimmt. Höfle verwies auf den FRAX-Risikorechner der Weltgesundheitsorganisation, der eine Einschätzung auch ohne Knochendichtemessung ermöglicht. Außerdem betonte der Arzt die Wichtigkeit und Konsequenz einer entsprechenden Therapie. Allein auf Medikamente und den Arzt sollten sich Betroffene jedoch nicht verlassen. Es braucht auch entsprechende Lebensstilmaßnahmen.

Sturzfallen beseitigen

Dazu zählen ausreichend Bewegung, sowohl im Ausdauer- wie auch im Kraft- und Koordinationsbereich, die Beseitigung von Sturzfallen in der Wohnung und eine knochengesunde Ernährung mit Kalzium, Vitamin D, Eiweiß, Früchten und Gemüse. 800 bis 1000 mg Kalzium täglich braucht der Knochen. Die sind in drei Scheiben Schnittkäse, ¼ Liter Milch oder Joghurt sowie einem Glas Orangensaft enthalten. Kalziumräuber sind Salz, Alkohol, Nikotin und Phosphate. Was Nahrungsergänzungen im Zusammenhang mit Kalzium und Vitamin D betrifft, warnte Höfle vor eigenmächtigem Handeln. Gerade bei Kalzium könne sich ein Zuviel nachteilig auswirken. „Damit muss man sich genau auseinandersetzen.“ Ziel von medikamentösen Interventionen ist es, Knochenabbauzellen in ihren übermäßigen Aktivitäten zu stoppen bzw. Knochenaufbauzellen zu aktivieren. VN-MM