Steter Tropfen
Stephen Hawking ist tot: Diese Schlagzeile hat mich am Mittwochmorgen mehr als alles andere erschüttert. Natürlich war bekannt, dass er an einer unheilbaren Krankheit litt, und natürlich war bekannt, dass er deshalb kein biblisches Alter erreichen würde, obwohl 76 für diese Art von Leiden schon in die Nähe dieses Begriffes kommt. Trotzdem berührte mich die Meldung enorm. Warum, weil Hawking neben all seiner Genialität auch eine überzeugende und ehrliche moralische Instanz war ohne zu moralisieren. Er musste dem Leben, so wie es ihn behandelt hat, nicht dankbar sein, außer vielleicht für seinen brillanten Geist und die Menschen, die ihn so nahmen, wie er war. Dennoch war er der Menschheit, die sich aus ebenso unverständlichen wie abwegigen Gründen immer wieder einmal am liebsten selbst ausrotten würde, zugewandt.
Populär geworden in diesem Zusammenhang ist seine Feststellung, dass nur Empathie die Menschheit wird retten können. Ein sperriger Begriff, der aber nicht mehr und nicht weniger impliziert, als den anderen zu lieben wie sich selbst. Selbstliebe ist laut Experten übrigens nichts Schlechtes, sie sollte nur nicht in Selbstverliebtheit ausarten. Dann würden wir wieder am Anfang stehen. Wenn Fachleute über die Zukunft des Planeten diskutieren, kommt meist auch unweigerlich das Zitat von Stephen Hawking ins Spiel. Und das wohl zu Recht. Denn noch nie waren die Menschen so voneinander abhängig wie heute. Wir werden Empathie nicht in großem Stile leben können, aber im Kleinen. Und Sie wissen ja: Es ist der stete Tropfen, der den Stein höhlt.
Marlies Mohr
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