Geschick und Liebe
Unlängst kam ich an einem dieser vielen Christbaumverkaufsplätze vorbei. So kurz vor dem großen Fest war die Auswahl an Tannen buchstäblich erlesen. Die Schönsten unter den Schönen hatten ihre Abnehmer längst schon gefunden. Was noch übrig blieb entsprach teilweise so gar nicht dem Ideal von einem Weihnachtsbaum: klein, etwas krumm gewachsen und mit lichtem Geäst. Ein älteres Paar streifte, angeregt diskutierend, durchs Gehölz. „Nein, der kommt mir nicht in die Stube“, hörte ich den Mann ab und an protestieren. Die Frau schien weniger heikel zu sein. „Geschmückt sieht jeder Baum gut aus“, hielt sie lachend dagegen, schnappte sich ein etwas zerzaust wirkendes Exemplar und ließ es sich transportfähig einpacken.
Ich musste schmunzeln, weil ich solche Debatten mit meinen Kindern auch schon geführt habe. Und weil ich auch der Meinung bin, dass mit ein bisschen Geschick selbst etwas vermeintlich Unansehnliches herausgeputzt werden kann. Es gibt einen Spruch, der sinngemäß lautet: Gottes Garten ist groß, darin wachsen viele Blumen. Der Volksmund wendet ihn gerne auf Menschen an, die ein bisschen anders, ein bisschen schräger sind. Gleiches lässt sich von der Natur sagen. Nichts und niemand ist wirklich perfekt, auch das Beste und Schönste nicht. Es kommt immer auf die Betrachtungsweise an. Packen Sie beim Dekorieren Ihrer Tanne noch eine große Portion Liebe dazu, dann werden Sie strahlen wie Ihr Weihnachtsbaum. Ich wünsche Ihnen ein frohes, fröhliches und lichtreiches Fest.
Marlies Mohr
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