Er kam, sprach . . . und ging

Gesund / 04.08.2017 • 07:50 Uhr
Wenn sich ein Paar nichts mehr zu sagen hat, folgt oft die Trennung. Aber auch die will gründlich verarbeitet werden. Foto: DPA
Wenn sich ein Paar nichts mehr zu sagen hat, folgt oft die Trennung. Aber auch die will gründlich verarbeitet werden. Foto: DPA

Mit dem Zulassen von Trauer bei Trennung wird emotionaler Müllkübel geleert.

Wolfurt. (mec) Eine Trennung von einem geliebten Menschen erschüttert emotional und körperlich. Das Leben gerät aus den Fugen, das Herz scheint zu zerbrechen. Manche erleben eine Trennung, als würde man durch einen Sterbeprozess gehen. Denn was bedeutet eine Trennung? Abschied von einem ehemals geliebten Menschen, Abschied von Lebensplanungen und Werten, die dem Einzelnen wichtig waren. Eine Kränkung obendrein, wenn man wegen einer anderen Person verlassen wird. Was hat die/der, was ich nicht habe? Der Selbstwert ist geknickt, und oftmals quält man sich mit der Frage: Bin ich überhaupt liebenswert?

Gedanken- und Gefühlschaos

Negative Emotionen, wie Wut, Trauer, Hass, aber auch Schuldgefühle, Verzweiflung, Existenzängste oder Einsamkeit sind ständige Begleiter in dieser Zeit und eine emotionale Belastung, aus der auch körperliche Symptome resultieren können. Schlafstörungen, Ruhelosigkeit, tiefste Grübeleien, Appetitlosigkeit, abwechselnd mit Gefühlsausbrüchen sind an der Tagesordnung. Für kurze Momente können aber auch Gefühle der Befreiung, der Hoffnung oder der Erleichterung aufblitzen. „In der ersten Zeit wird die Tatsache des Verlusts oft verleugnet“, weiß Doris Jäger. Sie ist Naturheiltherapeutin und Resilienztrainerin in Wolfurt. Doch: „Alle auftretenden negativen Emotionen dürfen und sollen gespürt und zugelassen werden. Denn mit dem Erleben wird der emotionale Mülleimer geleert, und es hilft, nicht in Depressionen zu versinken.“

Seelenverwandte suchen

Sich in diesem Abnabelungs-und Loslösungsprozess professionelle Hilfe zu holen, kann neue Perspektiven aufzeigen. Ressourcenfindung, Stärkenanalyse, Bedürfniserhebung, aber auch Ursachenfindung und Bearbeitung sind Themen, die angesprochen und herausgearbeitet gehören. Freunde sind in dieser Zeit unersetzbar. Sie sind vielleicht nicht immer in der Lage, den Trauernden aus seinem Tief zu ziehen, können aber zumindest Präsenz zeigen und demonstrieren: Ich bin für dich da.

Vergebung

Vergebung ist der erste Schritt, inneren Frieden zu finden. Wie lange es dauert, bis der Verlassene beginnt zu reflektieren, ist bei jedem verschieden. Früher oder später beginnt aber die Suche nach Verhaltensweisen, die hinderlich sind. „Es ist sinnvoll, einschränkende Überzeugungen aufzuspüren und zwanghafte Wünsche abzulegen“, empfiehlt Jäger. Damit wird mit der Zeit deutlicher, was man zukünftig will und was nicht mehr. Mit dieser Klarheit wächst auch die Motivation. Und die bringt den Menschen ins Handeln. Handeln wiederum erzeugt Energie. Und mit Energie wächst die Lebensfreude.

Auf zu neuen Ufern

Verblasst die Zeit der Trauer, erkennt man, dass jeder Mensch im Leben ein Begleiter war, durch den gelernt wird. Ist der Verlust akzeptiert, sind die Gedanken auf Zukunft programmiert, stellt sich Erleichterung ein. Man ist offen für Neues.

Tipps

» Keine schwerwiegenden Entscheidungen in einer Lebenskrise treffen. Lassen Sie sich nicht drängen, tanken Sie Kraft und entscheiden Sie in aller Ruhe.

» Verfassen Sie einen Brief an Ihren /Ihre „Ex“, den Sie nicht zwingend abschicken müssen.

» Geben Sie Ihre Gedanken und Gefühle an die geduldigen Seiten eines Tagebuchs ab.

» Legen Sie sich ein Kistchen mit Symbolen zu, die Sie animieren und erinnern, was Sie vor allem am Wochenende unternehmen könnten, um nicht in ein Verlassenheitsgefühl hineinzurutschen. Hineinlegen können Sie Bilder von Sportschuhen als Aufforderung, wandern zu gehen, eine Kinokarte, die Visitenkarte eines Lokals, oder halten Sie nach Veranstaltungen und Ausstellungen Ausschau, die Sie interessieren.

» Ausmisten bringt Entlastung. Stellen Sie alles beiseite, was Sie an Ihren Ex/Ihre Ex erinnert. Entfernen Sie die Matratze Ihres ehemaligen „Lebensabschnittpartners“.

» Verändern Sie etwas an sich: Kleider, Frisur, Figur usw.

» Tun Sie etwas, was Sie noch nie getan haben, aber immer schon tun wollten.

» Verbringen Sie einen Tag ohne zu hassen, zu jammern oder zu klagen. Denken Sie sich, das mache ich nur jeden zweiten/dritten Tag. Dann beobachten und staunen Sie, wie sich das Leben ändert.