Die Küken im Nest
Was fangen die Frauen wohl mit den vielen Muttertagen an, die sie im Laufe ihres Lebens feiern dürfen? So lange die Kinder klein sind, stellt sich die Frage eigentlich nicht. Da sind Mütter einfach nur Mütter. Und das wohl schönste aller Geschenke ist, wenn die lieben Kleinen wachsen und gedeihen. Im Kindergarten sind es dann die krakeligen Zeichnungen und einfachen Reime, die das Mutterherz schmelzen lassen wie Sonne den Schnee. Und so geht es weiter bis . . . ja, bis wohin? Bis zum Teenageralter würde ich schätzen. Ab da lässt das Hofieren merklich nach. Kein Frühstück mehr. Der Bub muss schließlich ausschlafen. „Weck’ mich, wenn ihr mit dem Grillen anfängt!“ Mädchen sind da ein bisschen anders. Die kümmern sich zumindest noch um ein Geschenk. „Aber die Hälfte zahlst du, Bruder!“
Irgendwann verläuft sich die Sache schließlich ganz oder wird zum Schmalspurprogramm. Zumindest für einige Zeit. Die Kinder sind erwachsen, sie studieren, arbeiten, pflegen eigene Beziehungen. So ist der Lauf der Welt. Aber das Leben hat uns auch gelehrt, dass sich alles wieder umkehrt. Selbst beim Muttertag. Wobei die Kehrtwendungen mitunter ziemlich unkonventionell ausfallen können. Meine Tochter hat unlängst vorgeschlagen, am Samstag zum Brunch zu gehen, so als Pre-Muttertag. Begründung: „Sonst haben wir wieder Stress, weil wir nicht wissen, was wir tun sollen.“ Na gut, feiern wir eben vor. Wen stört es. Hauptsache, die Küken sind wieder einmal im Nest. Einen schönen Muttertag wünsche ich Ihnen. Ob am Samstag oder Sonntag.
marlies.mohr@vn.at
Kommentar