Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Lebendige Hoffnung

Gesund / 03.02.2017 • 09:09 Uhr

„Was machst du da?“, fragte meine Tochter, als wir uns unlängst abends im Bad begegneten. Ich war gerade damit beschäftigt, mir ein Serum ins Gesicht zu schmieren, das laut Anpreisung die Haut mit viel Feuchtigkeit versorgen und müde Zellen, die sich schon in Falten legen oder dies bereits getan haben, wieder in Schwung bringen soll. Natürlich bin ich nicht so blauäugig, solchen Versprechungen auf Punkt und Beistrich zu glauben. Trotzdem fühlt sich ein bisschen Luxus auf der Haut ziemlich gut an.

So ausführlich wurde ich meiner Tochter gegenüber nicht. Sonst wären wir vermutlich am nächsten Morgen noch an den Waschbecken gestanden und hätten weitergeplänkelt. „Ich pflege mich“, gab ich daher ganz einfach zurück. „Und, nützt es etwas?“, insistierte sie unbarmherzig. „Ich weiß es nicht, doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt“, erwiderte ich. „Aber sie stirbt“, kam es gnadenlos zurück. „Aber erst mit mir“, konterte ich.  

Ja, die Hoffnung, sie ist es, die uns in vielen Dingen aufrecht hält. Deshalb lassen wir wohl auch den Rest dieses legendären Spruches gerne fallen. Was sollte es auch bringen, sich auf der einen Seite Hoffnung zu machen und auf der anderen Seite ständig daran zu denken, dass unsere Bemühungen vielleicht gar nichts bringen. Also hoffen wir, und tun alles dazu, was möglich ist, um Pläne zu einem guten Ende zu bringen. Darum sollte die Hoffnung das Letzte sein, das der Mensch aufgibt. Und sie sollte lebendig bleiben bis zum Ende. Wer nicht mehr hofft, stirbt wirklich, auch wenn er noch lebt.

marlies.mohr@vn.at