Schmerz an Körper und Seele

Gesund / 09.12.2016 • 08:23 Uhr
Diffuse Schmerzen sind ein sehr häufiges Problem. Oft lässt sich trotz zahlreicher Untersuchungen aber keine körperliche Ursache entdecken.
Diffuse Schmerzen sind ein sehr häufiges Problem. Oft lässt sich trotz zahlreicher Untersuchungen aber keine körperliche Ursache entdecken.

MedKonkret widmet sich im Dezember-Vortrag einem Problem mit hoher Betroffenheit.

Dornbirn. (VN-mm) Jede Krankheit hat körperliche, seelische und soziale Anteile. Oft lassen sich trotz zahlreicher Untersuchungen aber entweder keine oder nur ungenügende körperliche Befunde als Erklärung für das Ausmaß der Beschwerden finden. Zu den häufigsten Krankheitsbildern zählen: chronische Schmerzen, Essstörungen wie Magersucht oder Ess-Brechsucht, Organfunktionsstörungen wie das Reizdarmsyndrom bzw. Erkrankungen wie Asthma oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen, die schubhaft verlaufen und deren Symptome sich in psychischen Belastungssituationen verstärken. Primar Georg Weinländer, Leiter der Abteilung für psychosomatische Medizin im Landeskrankenhaus Hohenems, erläutert in seinem MedKonkret-Vortrag am Dienstag, 13. Dezember 2016, ab 19 Uhr in der Messe Dornbirn die vielfältigen Zusammenhänge einer Erkrankung. Vor Beginn der Veranstaltung bietet die Firma Neuroth wieder kostenlose Hörtests an.

Gleichwertige Betrachtung

Seine wichtigste Botschaft: Die seelischen (Psyche) und körperlichen (Soma) Anteile einer Erkrankung sollten als gleichwertig betrachtet werden. „Die psychosomatische Medizin hat sich diese Sowohl-als-auch-Betrachtungsweise bei Diagnose und Therapie zur Aufgabe gemacht und behandelt Menschen, die an Krankheitssymptomen leiden, welche in ihrer Entstehung und ihrem Verlauf oft erheblich von der seelischen und sozialen Befindlichkeit der Betroffenen beeinflusst sind“, erklärt Weinländer.

Obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schon 1946 Gesundheit als einen Zustand „körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens“ definierte, rückte das Betrachten der seelischen und sozialen Aspekte von Gesundheit und Krankheit in Teilen der Medizin allerdings zunehmend in den Hintergrund. Nun gewinnt diese Disziplin, die in Deutschland bereits den achtzigsten Geburtstag hinter sich hat, auch in Österreich wieder an Bedeutung und Anerkennung.

Chronisches Schmerzsyndrom

Ein häufiges Krankheitsbild in psychosomatischen Abteilungen ist das „chronische Schmerzsyndrom“. Chronische Schmerzen sind oft Zeichen einer Depression oder Folge von Verlassenheitsgefühlen. Gute soziale Beziehungen hingegen vermindern Schmerz. Neurobiologische Erkenntnisse belegen dies. Bei Essstörungen wiederum spricht der Körper eine Sprache, die Betroffene nicht in Worte fassen können oder, wenn doch, ein Gefühl hinterlassen, nicht gehört zu werden. Auch bei diesen Krankheitsbildern, die nahezu immer im Jugendalter beginnen, stehen hinter dem Symptom der Essstörungen soziale Konflikte meist mit Personen aus der Ursprungsfamilie.

Zeitlicher Zusammenhang

Überhaupt lässt sich bei den meisten Patienten, die an psychosomatischen Störungen leiden, ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Konflikten, sei es innerhalb der Familie oder im Arbeitsumfeld, und dem Ausbruch der Symptome feststellen.

MedKonkret

Die Seele leidet, der Körper schmerzt

» Referent: Primar Georg Weinländer, Psychosomatische Medizin, LKH Hohenems

» Termin: Dienstag, 13. Dezember 2016, Messe Dornbirn

» Beginn: 19 Uhr, Einlass ab 18 Uhr

» Eintritt frei, auch das Parken im Messegelände