Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Freude und vier Kerzen

Gesund / 02.12.2016 • 11:29 Uhr

Es ist einfach so: Beim Arrangieren von Zierrat habe ich zwei linke Hände. Deshalb halte ich mich in diesen Dingen meist vornehm zurück, ebenso beim Kauf solcher Artikel, wiewohl es so hübsche Sachen gäbe. Meine unterentwickelten Fähigkeiten dürfen höchstens im Advent ran. Da muss einfach ein bisschen vorweihnachtliche Stimmung sein. Der erste Anlauf geriet allerdings zum Desaster. Als ich meiner Tochter ein Foto davon postete, kam ein „des isch jo erbärmlich“ mit empörtem Ausrufezeichen dahinter zurück. Auch mein Sohn maulte: „Sogar im Flüchtlingscamp haben wir einen echten Adventkranz.“ Gut, besonders einfallsreich war es nicht, nur eine Kerze, dazu eine mit lediglich drei Dochten, auf den Tisch zu stellen. Aber wenn das Haus leer ist, wen stört’s? „Trotzdem und nimm‘ wenigstens vier Kerzen“, meinte meine Tochter. Also machte ich mich am nächsten Tag daran, etwas Besseres zu schaffen. Draußen schien die Sonne, der Wind wirbelte munter Blätter übers Feld . . . ich konnte es mir gerade noch verkneifen, eine Weihnachts-CD aufzulegen. Kurz: Von passender Stimmung keine Spur. Das erleichterte die Sache auch nicht gerade. Aber irgendwie habe ich es hingekriegt, zumindest das mit den vier Kerzen.

In einem gewissen Alter neigt der Mensch ja gerne dazu, sich von Traditionen zu verabschieden. Weil, wie gesagt, die Hütte ohnehin leer ist. Da braucht es hin und wieder jemanden, der einen daran erinnert, dass das Leben trotzdem weitergeht und schön ist. Genießen Sie also die Adventzeit, mit oder ohne Deko. Auf die Freude kommt es an.

marlies.mohr@vorarlbergernachrichten.at