Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Klebriges Problem

Gesund / 14.10.2016 • 10:39 Uhr

Die WHO will also Regierungen empfehlen, zuckerhaltige Getränke mit einer Sondersteuer zu belegen, „um Leiden zu reduzieren und Leben zu retten“. Die Ansage kommt nicht von ungefähr. Weltweit sollen bereits 42 Millionen Kinder unter fünf Jahren übergewichtig oder fettleibig sein. Alarmierend, aber nicht neu. Lange wird schon über dieses Thema geredet, viele Ernährungsprojekte laufen in Kindergärten und Schulen, Experten reden sich den Mund fusslig, doch mit welchem Ergebnis?

Im Grunde sind wir in dieser Sache kaum weitergekommen. Stattdessen haben sich Übergewicht und Fettleibigkeit wie eine Seuche ausgebreitet. Nicht einmal dort, wo es diese Zuckersteuer gibt, ist der Konsum süßer Getränke auf Dauer zurückgegangen. Anfängliche Erfolge, ja. Aber nachhaltig? Fehlanzeige. Ein Beispiel gefällig? Fortschrittlich, wie die Nordlichter sind, kassiert Finnland seit den Vierzigerjahren eine Steuer für Erfrischungsgetränke und seit 2011 auch für Süßigkeiten. 2017 wird sie abgeschafft, weil sie laut EU gegen die Regeln des freien Marktes verstößt. Finnland entgehen damit 109 Millionen Euro. Mit Süßem scheint es wie mit dem Rauchen. Teuer schreckt nicht ab.

Um wirklich etwas bewegen zu können, bleibt wohl nur eines, und das ist auch nicht neu, dort mit Bewusstseinsbildung zu beginnen, wo ohnehin alles anfängt, nämlich in der Familie. Was Hänschen dort nicht lernt . . . Sie wissen schon. In späteren Jahren sind Lebensumstellungen immer schwierig. Lieber die Zeit früh genug investieren. Dann klappt’s auch mit der Nachhaltigkeit.

marlies.mohr@vorarlbergernachrichten.at