Hans Concin

Kommentar

Hans Concin

Zika in Europa

Gesund / 23.06.2016 • 19:45 Uhr

Bisher gibt es in Europa nur Zikaerkrankungen, deren Infektion außerhalb von Europa erworben wurde. Die Weltgesundheitsorganisation und Forscher der nordschwedischen Universität Umea halten es jedoch für möglich, dass in diesem Sommer Zikaviren beziehungsweise infizierte Stechmücken sich auch in Südeuropa ausbreiten können (Madeira, nordöstliche Schwarzmeerküste und mit geringerer Wahrscheinlichkeit auch andere Regionen).

 

Während die Infektion bei Erwachsenen in den meisten Fällen symptomlos oder harmlos verläuft (Fieber, Hautausschlag, Gelenksschmerzen, rote Augen, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Grippe-ähnliche Symptome), können die Folgen für das ungeborene Kind katastrophal sein: Vor allem Infektionen in den ersten zwei Schwangerschaftsdritteln können zu einem verkleinerten Kopf (Mikrozephalus) mit einem kleineren Gehirn führen. Eine von 100 infizierten Schwangeren gebärt ein Kind mit Mikrozephalus. Die Langzeitfolgen dieser massiven Gehirnfehlbildungen sind dramatisch und noch nicht ganz absehbar. Kein anderes Virus und kein Medikament verursachen in der Schwangerschaft derart massive Gehirnfehlbildungen. Nach heutigem Wissensstand ist eine Frau in einer weiteren Schwangerschaft geschützt.

 

Die Übertragung von Zika erfolgt in erster Linie über infizierte Stechmücken (Aedes aegypti, weniger Aedes albopictus): In jüngster Zeit wurde auch die Bedeutung der sexuellen Übertragung erkannt. Theoretisch kann die Infektion auch über eine Bluttransfusion erfolgen. Eine Übertragung durch das Stillen ist bisher nicht bekannt und unwahrscheinlich. Frauen und Männer, die aus befallenen Regionen zurückkehren und infiziert sind, auch wenn sie keine Symptome haben, können ihre Sexualpartner ohne es zu wissen infizieren. Eine Übertragung erfolgt in den meisten Fällen von der Mücke zum Menschen, aber auch umgekehrt. Über diesen Weg halten Experten eine Ausbreitung auch in Südeuropa für möglich. Bei Kinder scheint Zika so wie bei Erwachsenen zu verlaufen.

Frauen mit Kinderwunsch sollten bei Infektionsverdacht mit einer Schwangerschaft acht Wochen warten. Infizierte Männer sollten laut aktueller WHO-Empfehlung sechs Monate warten, bevor sie versuchen, ein Baby zu zeugen. Derzeit gibt es weder eine Therapie noch eine Impfung.

 

Wir wissen heute noch viel zu wenig über Zika. Hinterlässt die Infektion eine lebenslängliche Immunität? Kann das Virus sich verändern? Bis wann können wir mit einer Impfung rechnen? Die internationalen Gesundheitsbehörden beobachten die Entwicklungen sehr genau und geben laufend Empfehlungen an die nationalen Behörden, um eine Ausbreitung von Zika einzudämmen.

Das Zika-Virus kann verheerende Folgen für das Ungeborene haben.

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Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Präsident aks Verein