Fragen aus dem Publikum

Ich bin seit dem achten Lebensjahr schwerhörig. Früher hatten die Leute sehr wenig Verständnis für Gehörlose und Schwerhörige. Das tut mir auch heute noch weh. Deshalb wollte ich fragen, ob bei mir ein Implantat noch etwas nützen würde?
Elsäßer: Situationen wie die von Ihnen geschilderten gibt es heute nicht mehr. Alle Neugeborenen werden auf ihre Hörfähigkeit getestet, und wenn erforderlich erhalten sie bereits mit sechs Monaten ein Implantat. Damit ist ein ganz normaler Spracherwerb möglich. Was Ihre Frage betrifft: Wenn das Hörorgan nicht ständig gefordert ist, kann es sich nicht mehr regenerieren. Würde jetzt implantiert werden, hätten Sie keinen Profit.
Was ist mit Tinnitus und Hörgeräten?
Koller: Richtig eingestellt kann das Hörgerät das Tinnitus-Geräusch durchaus überdecken.
Elsäßer: Tinnitus ist leider nicht heilbar. Wir haben versucht, das Problem mit verschiedenen Therapien anzugehen, und haben auch an Studien teilgenommen. Ohne großen Erfolg. Es geht also darum, mit Tinnitus leben zu lernen und ihn nicht zu bekämpfen. Das richtige Tragen eines Hörgerätes kann den Tinnitus zumindest lindern.
Ist es wirklich nötig, ein Hörgerät vier Stunden am Tag zu tragen?
Elsäßer: Sie können das Gehör mit einer Fremdsprache vergleichen. Beides müssen Sie trainieren, sonst geht vieles verloren. Deshalb braucht es auch beim Hörgerät diesen langen Trainingseffekt.
Lässt sich mit Training normalem Hörverlust vorbeugen?
Koller: Die beste Prävention ist so wenig Lärm wie möglich.
Elsäßer: Es gibt aber auch Untersuchungen, wonach ein absoluter Schutz vor Lärm nicht heißt, dass man besser hört. Es braucht eine gewisse Lautheit, um Anreize zu setzen, welche die Haarzellen trainieren.
Trotz Hörgerät verstehe ich kaum etwas. Könnte mir vielleicht ein implantierbares Hörgerät helfen?
Elsäßer: Es gibt klare Indikationen, wann welche Implantate eingesetzt werden. Gibt es trotz eines gut eingestellten Hörgeräts Probleme, sollte der Einsatz eines implantierbaren Hörgeräts abgeklärt werden.
Werden im Landeskrankenhaus Feldkirch auch Hörtests durchgeführt?
Elsäßer: Natürlich machen
wir Hörtests. Wir sind aber eher für die Versorgung von Kranken und Schwerkranken zuständig. Außerdem würde das unsere Kapazitäten vermutlich sprengen. Hörtests und Hörabklärungen führen auch niedergelassene Kollegen und Hörgeräteakustiker durch.
Ich leide seit vierzig Jahren an Tinnitus und war deshalb in einer Spezialklinik. Dort wurde mir gesagt, es lässt sich nichts mehr machen. Ich habe auch Hörgeräte probiert, doch damit sind die Geräusche stärker als ohne Hörgerät. Gibt es wirklich keine Lösung?
Elsäßer: Da müsste man schauen, ob mit einem implantierbaren Hörgerät geholfen werden kann. Der Tinnitus kann sich bessern, garantieren lässt sich das jedoch nicht.
Ich trage das Hörgerät jetzt bereits seit zwei Monaten, aber der Tinnitus ist nun viel lauter geworden. Warum ist das so?
Koller: Sie brauchen ein bisschen Geduld, dann kann man weitersehen. Technik und Medizin sind bemüht, zu helfen, leider nicht immer mit Erfolg.
Gibt es Medikamente gegen den Morbus Menier?
Elsäßer: Das ganz große Heilmittel gibt es nicht, wohl aber stehen Medikamente zur Verfügung, die aber leider zu unterdosiert verschrieben werden. Es ist auch möglich, Kortison oder antibiotische Medikamente in die Pauke zu injizieren. Operativ kann eine Entlastung des Innenohrs erreicht werden, das ist aber meist die letzte aller Möglichkeiten.
Ich hatte vor einigen Jahren einen Hörsturz. Nun meinte mein Arzt, ich muss mit den Geräuschen leben. Außerdem habe ich häufig Kopfschmerzen. Kann das zusammenhängen?
Elsäßer: Ein einseitiger Hörsturz hat eine hohe Selbstheilungsrate. Deshalb wird meist erst einige Tage später mit einer Therapie begonnen. Zeigt sich nach zwei bis drei Monaten aber immer noch kein Erfolg, ist kaum mit einer Besserung zu rechnen. Ihre Kopfschmerzen können daher rühren, das dass Hören mit dem Geräusch eine höhere Konzentration erfordert.